• Interview mit SozialPod (Finalist 2019)

    Der Sozial.Pod greift die unglaublich (aber definitiv nicht ausreichend beleuchtete) vielfältige Soziale Landschaft Wiens in Form eines Podcasts auf und erstellt so eine soziale Plattform auf welcher NGO’s, soziale Institutionen und Individuen zu Wort kommen.

     

    Wie kam euch die Idee und was machst du/ihr genau?
    Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Armut sind alles Themen die in meinem Studium (Sozialarbeit an der FH) zwar behandelt wurden, welchen aber außerhalb der “Sozialarbeits-Bubble” definitiv nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. So ist mir die Idee nach meinem Studium, diese Bandbreite von sozialen Themen durch das Medium Podcast diskutierbarer und dadurch gleichzeitig zugänglicher zu machen, gekommen. Denn Menschen wissen so wenig über das Schicksal und den Lebensgeschichten ihrer Mitmenschen: der Podcast und die Website in welcher der Podcast integriert ist hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht eine soziale Plattform ins Leben zu rufen auf welcher man sich austauschen, bilden und direkt von der Quelle über gesellschaft prägende Themen zu lernen kann.

    Wer sind deine Role Models?
    Schnitttechnisch sind meine Role Models definitv Renata Schmidkunst von Ö1 “Das Gespräch” und Elisabeth Scharang von dem FM4 Format “Doppelzimmer”. Selber höre ich gerne den Falter Podcast und den “Grosse Töchter” Podcast von und gleichzeitig mit Beatrice Frasl. Von Elisabteh T. Spira (Liebesgschichten und Heiratssachen) bin auch noch ein grosser Fan!

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?
    (lacht) Nur wenn ich zu viel Kaffee trinke und dann nicht einschlafen kann weil ich in so einem Ideenwahn bin. Dann muss ich so lange wie möglich diese produktive Phase ausnutzen und dann natürlich ja nicht einschlafen!

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Seit kurzem ist auch Helena, eine Studienkollegin und mittlerweile gute Freundin in meinem Team und ich muss ehrlich sagen, da wir so einen ähnlichen Ansatz betreffend der Vision und sogar den gleichen Humor haben schaffen wir uns tatsächlich einfach durch Zusammensein Ausgleich. Manchmal kann ich sogar nicht glauben dass es so reibungslos läuft!

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?
    Definitiv kreiert der Podcast eine Form von Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung triggernder Themen die eine kognitive Dissonanz hervorrufen und daher lieber verdrängt werden als darüber nachzudenken. Uns ist nicht bewusst dass Armut und Obdachlosigkeit jedem von uns passieren kann ohne das viel passiert, daher braucht es meiner Meinung ganz generell andere Haltung gegenüber diesen wichtigen Fragen. Ein anderer wichtiger durch den Podcast hervorgerufener Impact: Empowerment. Eine der Ziele des Podcasts ist es eine Vielfalt von Menschen zu inkludieren und Werte wie Achtung, Respekt weitergeben.

    Was ist deine Lieblingspodcastfolge?
    Meine absolute Lieblingspodcastfolge ist eine Folge von FM4 “Doppelzimmer” mit österreichischen Schriftsteller Michael Köhlmaier. Michael Köhlmaier selber in einer Podcastfolge haben zu können, wäre natürlich der absolute Wahnsinn!

    Warum ein Podcast?
    Da das Medium eine große Masse ansprechen sollte und gleichzeitig auch sensibilisieren sollte eignet sich ein Podcast perfekt dafür. Die große Vision für das Projekt wäre es aber eine sozial Plattform zu erstellen auf welcher sich Menschen mit allen möglichen Hintergründen austauschen und auch voneinander lernen können.

     

  • Interview mit frida (Finalist 2019)

    FRIDA bietet kostenlose juristische Hilfe für Asylsuchende und Menschen in Not an und bietet zwei wöchentliche Beratungsstunden an, bei welchen immer Dolmetscher anwesend sind und helfen so beispielsweise bei der Ausstellung von Aufenthaltstiteln.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?
    Wir sind bereits seit Jahren im asyl- und fremdenrechtlichen Bereich beratend tätig und konnten daher schon länger beobachten, dass es ständig Bedarf an fachlich kompetenter, unabhängiger rechtlicher Hilfe gibt. Zwar existieren Organisationen, die diese Aufgabe im staatlichen Auftrag wahrnehmen, jedoch sind hierbei einerseits große Qualitätsunterschiede zu beobachten und besteht andererseits hohe Nachfrage nach staatlich unabhängiger Unterstützung. Nicht zu vergessen ist zudem, dass der Andrang sehr hoch, die Verfahren kompliziert und die Anlaufstellen zu wenige sind. Als die (erfreulicherweise: Ex-)Regierung schlussendlich die Schaffung der BBU („Bundesbetreuungsagentur“) ab 2021 beschloss, welche u.a. auch eine staatliche Einrichtung zur rechtlichen Beratung Geflüchteter vorsieht, stand für uns fest, dass es eine neue, unabhängige NGO braucht, die hier eine qualitative Alternative bieten kann.
    Ein zweites Bedürfnis, das wir verorten konnten, ist die Schaffung einer einheitlichen Anlaufstelle für Geflüchtete, aber auch Migrant*innen und deren Familienangehörige. Eine solche existiert in Wien nicht, bringt für Betroffene jedoch große Vorteile: So können sich Personen jeden Aufenthaltsstatus in rechtlichen Fragen an uns wenden und erhalten direkt Auskunft und Unterstützung, ohne an verschiedene Stellen weiterverwiesen zu werden.
    Unsere Tätigkeit besteht in offenen Beratungsabenden, die derzeit zweimal monatlich stattfinden. Abende deshalb, da die meisten Beratungsstellen untertags geöffnet haben, und wir hier eine Erleichterung für berufstätige Klient*innen schaffen möchten. Zu diesen sind jeweils mindestens 4 Berater*innen anwesend, die über ausreichend Erfahrung verfügen und somit kompetente Beratung leisten können. Unterstützt werden diese von einem Dolmetsch-Team, mit dessen Hilfe wir (je nach Bedarf) Beratung in den Sprachen Dari/Farsi, Arabisch, Russisch, Paschtu, Armenisch und Französisch anbieten können. Personen können an diesen Abenden ohne Voranmeldung kommen und erhalten eine Erstabklärung. Besteht Folgearbeit oder Bedarf an einem ausführlicheren Gespräch, wird ein zusätzlicher Einzeltermin vereinbart.

    Wer sind eure role models?
    Als Role Model können wir etwa Ute Bock nennen, die einen Großteil ihres Lebens, das leider vergangenes Jahr ein Ende nahm, voll und ganz der bedingungslosen Unterstützung geflüchteter Menschen in allen Lebenslagen widmete. In juristischer Hinsicht haben wir selbstverständlich ebenfalls einige Vorbilder – nennenswert ist etwa das Kollektiv der Menschenrechtsanwälte, welches vor ein paar Monaten die EU und ihre Mitgliedstaaten beim Internationalen Strafgerichtshof infolge des Massensterbens im Mittelmeer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagte. Wir sehen darin ein starkes Zeichen des Protests, dessen Setzung in Zeiten wie diesen einiges an Mut erfordert.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?
    Schlaflose Nächte bereitet uns derzeit einerseits die finanzielle Absicherung unseres Vereins und andererseits die Schaffung einer nachhaltigen Arbeitsstruktur. Wir sind als Verein noch sehr jung und relativ klein, tragen aber durch unseren Kick-Off, der sich schneller verbreitete als erwartet, bereits einiges an Verantwortung für unsere Klient*innen. Es besteht daher natürlich Druck, nebenher neue Teammitglieder zu gewinnen, um eine möglichst nachhaltige Beratungsstruktur gewährleisten zu können. Aktuell träumen wir noch von einem Büro, das nur uns gehört, und dem Luxus, unsere Mitarbeiter*innen eines Tages einen wohlverdienten Lohn bieten zu können. In dieser Hinsicht arbeiten wir fleißig mit unserem Mentor zusammen und nutzen das wertvolle Angebot, das uns der SIA zur Verfügung stellt.

    Wie schafft ihr euch als Team einen Ausgleich?
    Wir kennen einander bereits eine Weile und sind auch über unser Projekt hinaus befreundet. Als Ausgleich zur professionellen Tätigkeit treffen wir uns auch gelegentlich privat, wobei wir versuchen, nicht über frida zu sprechen (was uns natürlich nicht immer gelingt ;)).
    Die Arbeit, die wir leisten, bringt viel Verantwortung mit sich und kann teilweise hoch belastend sein. Um diese also langfristig qualitativ erbringen zu können, nebenbei organisatorische und finanzielle Aufgaben wahrzunehmen und eine ausgewogene Work-Life-Balance zu halten, ist ein Ausgleich besonders wichtig. Wir haben daher als Teammitglieder immer ein Auge aufeinander, achten auf eine ausgewogene Arbeitsteilung und greifen einander unter die Arme, wenn es jemandem einmal zu viel wird.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?
    Fridas Impact zeigt sich in erster Linie bei unseren Klient*innen: die Nachfrage an kostenloser, kompetenter und staatlich unabhängiger Rechtsberatung ist groß, das bisher bestehende Angebot nicht ausreichend. Alle Personen, die bei frida tätig sind, tun dies aus Überzeugung und mit Leidenschaft, was garantiert, dass jede hilfesuchende Person mit ihrem Anliegen ernst genommen und respektvoll behandelt wird und die bestmögliche Unterstützung erhält. Das ist leider bei weitem nicht so selbstverständlich, wie es eigentlich sein sollte. Hinzu kommt das Angebot, asyl- und fremdenrechtliche Beratung in Einem zu erhalten. Betroffene benötigen häufig Unterstützung in beiden Bereichen und es ist daher für sie vorteilhaft, diese an einer Adresse zu erhalten.
    Im weiteren Sinn wirkt frida auch entlastend für bestehende Beratungsstellen. Die meisten Stellen sind hoffnungslos überlaufen, müssen immer wieder Personen mit ihren Anliegen abweisen oder grundsätzliche Aufnahmepausen einlegen. Wir erhielten daher äußerst positives Feedback auch von Seiten anderer Anlaufstellen und sind froh über die Zusammenarbeit, die sich so rasch entwickelte.

    Verliert ihr während eurer Arbeit manchmal den Glauben an das Österreichische Sozialsystem?
    Das österreichische Sozialsystem bedenkt einen nur, solange man sich innerhalb des „Systems“ bewegt und auch dann sieht es – etwa im Bereich der Mindestsicherung – Benachteiligungen vor, die das alltägliche Leben, jedoch auch die gesellschaftliche und arbeitsmarktliche Integration massiv beeinträchtigen. Die zuletzt beschlossenen Änderungen die Mindestsicherung betreffend sind unserer Ansicht nach zudem rechtswidrig.

    Kaum jemand spricht von jenen Menschen, die „illegalisiert“ in Österreich leben und die in Folge vom „System“ ausgespuckt wurden. Für sie interessiert sich die Politik nicht und damit auch nicht das österreichische Sozialsystem. Ohne jegliche Sozialhilfe, ausreichende Schlafplätze oder Anknüpfungsmöglichkeiten ist es diesen Menschen nicht möglich, in ihr altes Leben und damit auf den Radar des österreichischen Sozialsystems zurückzufinden. Insbesondere durch die Entscheidungspraxis des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, aber auch letztlich durch jene des Bundesverwaltungsgerichts produziert dieses „System“ seit Monaten und Jahren solcherart „illegalisierte“ Menschen. Mag es ihnen mithilfe den von einem Rechtsstaat wie Österreich vorgesehenen Mitteln in der Theorie gelingen können, sich zur Wehr zu setzen, werden sie in der Zwischenzeit vom österreichischen Sozialsystem im Stich gelassen, was oft dazu führt, dass ein Leben in Österreich bis zur Entscheidung der Höchstgerichte für die Betroffenen schlicht unfinanzierbar wird.

    Fühlt ihr euch manchmal überfordert? (Also könnt ihr überhaupt allen Anfragen nachkommen?)
    Diese Frage lässt sich klar bejahen. Wir mussten uns bereits zu Beginn darauf verständigen, gewisse Anfragen bzw. konkrete Anliegen nicht anzunehmen, um einer vorzeitigen Überforderung des Teams vorzubeugen. Dringendstes Beispiel ist die Vertretung vor dem Bundesverwaltungsgericht. Hier besteht eine nicht zu unterschätzende Nachfrage nach staatlich unabhängiger Rechtsvertretung, zu deren Gewährleistung wir gerne beitragen würden.
    Ansonsten geben wir uns große Mühe, alle Anfragen zu bearbeiten und für eine ausgewogene Arbeitslast innerhalb des Teams zu sorgen und durch ständigen Austausch Überlastung bestmöglich vorzubeugen.

  • Interview mit kunterbunt (Finalist 2019)

    Beim Start-Up “Kunterbunt” zählen nur die inneren Werte: Gemüse das nicht den handelsüblichen Normen entspricht wird direkt bei den Bio-Landwirten abgekauft und dann in Gemüse-Kisten an ihre Endkunden geliefert wird. Dies geschieht alles mit einem klaren Ziel: Lebensmittelverschwendung in Österreich zu reduzieren.

     

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?
    Uns war von Anfang an klar, dass wir uns gegen die Lebensmittelverschwendung beziehungsweise den Lebensmittelverlust in Österreich engagieren wollen. Dabei haben wir die Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion analysiert und uns angeschaut, wo wir den größten Impact erreichen können. Da ein großer Teil der Lebensmittel gar nicht den Supermarkt erreicht, war uns klar, dass wir hier den Hebel ansetzen wollen.
    Daher beziehen wir von Bio_Landwirten Lebensmittel, die aufgrund bestehender Normen nicht in den Supermärkten verkauft werden können und in der Biogasanlage landen würden. Diese Lebensmittel bieten wir dem Endkonsumenten*innen direkt an: so sind wir nachhaltiger und ökologischer als der herkömmliche Handel.

    Wer sind eure Role Models?
    Unsere Vorbilder für dieses Projekt sind Entrepreneure, die mit ihren Lösungen die Lebensmittelverschwendung und den Lebensmittelverlust bereits signifikant reduzieren. In diesem Bereich gibt es zum Glück immer mehr Vorbilder, die das erreichen und uns ermutigen, weiter für unsere Vision zu kämpfen.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?
    Unsere größte Herausforderung ist die Suche nach dem passendsten Business Modell, um unseren Kunden die beste Lösung anbieten zu können.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Nach langen Tagen oder kopfzerbrechenden Herausforderungen schaffen wir am besten mit Sport Ausgleich, um einen frischen Kopf zu bekommen. Daneben macht es uns sehr viel Spaß (gerettetes Gemüse) zu kochen und gemeinsam mit Freunden zu genießen.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?
    Wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt ein Umdenken anstoßen können. Unser Anspruch geht über den Vertrieb von krummen Obst und Gemüse hinaus: Wir wollen ein alternatives Konzept zum bestehenden Lebensmittelhandel anbieten.

    Auch immer mehr Grossverteiler bringen krummes Gemüse in den Handel, was macht euch besonders?
    Bei unserer Recherche haben wir erkannt, dass viele Großverteiler den Verkauf von krummen Obst und Gemüse eher als neues Geschäftsmodell zur Profitmaximierung sehen, als die bestehenden Prozesse im Lebensmittehandel nachhaltig zu verändern. Wir verfolgen einen gesamtheitlichen Ansatz, in dem wir denen am Projekt teilnehmenden Landwirten keine strengen Vorschriften auferlegen.

    Warum wurde schon nicht viel früher damit begonnen krummes Gemüse in den Handel zu bringen?
    Wir glauben, dass Konsumenten durch das aktuelle Umfeld bestehende Prozesse vermehrt überdenken. Bio ist heutzutage als Schlagwort im Lebensmittelbereich allgegenwärtig, allerdings ist Bio nicht automatisch die nachhaltigste Variante. Wir sind der festen Überzeugung, damit eine Lösung gefunden zu haben, den Konsumenten biologisch, nachhaltige Lebensmittel anbieten zu können.

     

  • Interview mit Lenkerbande (Finalist 2019)

    Unter dem Motto: “Räder für Alle” verbindet das Projekt Lenkerbande ihre Liebe zu Fahrrädern und sozialem Engagement und repariert zusammen mit Menschen aus allen Hintergründen Fahrrädern und kreieren so ganz nebenbei eine Community, von welchen es in der Stadt Wien definitiv noch nicht zur Genüge gibt.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?
    Wir möchten gemeinsam mit sozial benachteiligten Personen Fahrräder reparieren und diese anschließend verschenken oder (günstig) verkaufen. Gleichzeitig bieten wir so mit einer Community aus freiwilligen Fahrradbegeisterten einen niederschwelligen Zugang zu Fahrradreparatur-Infrastruktur für alle. Unser Ziel ist es, so vielen Leuten wie möglich einen günstigen Zugang zu einem Fahrrad zu bieten und dadurch ihre Mobilität und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
    Mit unserem Vorgängerprojekt “IntegRADsion” haben wir schon 2015 gemeinsam mit Geflüchteten Fahrräder repariert und dabei gelernt, dass es kaum Möglichkeiten gibt, sich ein gutes, günstiges Fahrrad zu kaufen. Außerdem lernten wir, dass viele Kunden nicht nach dem neuesten Rad suchen sondern nach einem zuverlässigen Fortbewegungsmittel dass sie sicher durch den Alltag bringt. Diese Lücke schließen wir: Wir retten Fahrräder vor der Schrottpresse und machen sie wieder fahrbereit und bieten Workshops an, bei denen unter der Anleitung von Profis Räder selbst repariert werden können.

    Wer sind deine Role Models?
    Menschen die sich nicht mit bestehenden Strukturen zufrieden geben, sondern aktiv daran arbeiten Alternativen aufzuzeigen und diese auch zu leben und Menschen die das Wohlergehen unseres Planeten und seiner Bewohner fördern. Ganz konkret gibt es viele Nationale aber auch Internationale Vorzeigeprojekte die zeigen, dass diese Probleme keine lokalen Besonderheiten, sondern grobe Missstände im wirtschaftlichen System sind. Es gibt viele Wiener Initiativen die seit Jahren erfolgreich niederschwellige Möglichkeiten zur Selbsthilfe bieten, deren Angebot aber bei Weitem nicht den Bedarf deckt. Der Impact dieser Projekte auf die Wiener Fahrradkultur und Verkehrssicherheit ist vielen Entscheidungsträgern nicht bewusst. Es gibt bereits bestehende Initiativen die aufzeigen dass ein Fahrrad nie vollständig kaputt sind, sondern nur einzelne Teile davon.
    Wir möchten uns hiermit bei Bike Kitchen, WUK und Flickerei für ihr Jahrelanges Engagement und die Inspiration bedanken. Darüber hinaus gibt es Initiativen, die aufzeigen dass nie ein Fahrrad kaputt ist, sondern höchstens einzelne Teile davon. Sie bieten leistbare Reparaturen wenn diese nötig sind anstatt sofort ein neues Fahrrad zu verkaufen. Wir empfehlen allen, sich mit ihren Fahrradproblemen an das Wiener Radhaus und das Radlheim Fünfhaus zu wenden.

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?
    Passt schon.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Autobahn. 140kmh.

    Wie genau ist das Reparieren von Fahrrädern ein Soziales Projekt?
    Die soziale und ökologische Verantwortung übernehmen wir in unserem Projekt auf mehreren Ebenen: In unseren Selbsthilfewerkstätten stehen Selbstermächtigung und die Gemeinschaft gleichermaßen im Fokus. Personen unterschiedlicher Backgrounds erklären, zeigen vor und geben ihr Wissen weiter. Fahrradbastler die sonst alleine zuhause oder im Keller arbeiten würden oder gar nicht arbeiten dürfen, finden sozialen Anschluss, austausch mit gleichgesinnten und übernehmen Verantwortung in selbstverwalteten Räumen. Wir bieten einen Rahmen, der Menschen aus oftmals schwierigen Verhältnissen eine Struktur im Alltag gibt und ihnen die seltene Möglichkeit bietet sich Anerkennung und Wertschätzung zu erarbeiten. Wer ein Problem mit seinem Fahrrad hat und sich selbst keine mechanische Fertigkeit zutraut, ist oft überrascht wie einfach viele Reparaturen durchzuführen sind, also learning by doing kombiniert mit Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Fahrrad das nicht mehr benötigt wird oder Selbst nicht repariert werden kann und ansonsten am Schrottplatz landen würden, bekommt bei uns noch eine weitere Chance. Die Räder werden Teil einer lokalen, ökosozialen Wertschöpfungskette, sparen Ressourcen und ermöglichen sozial schwachen Personen einen einfachen und günstigen Zugang zu selbstbestimmter Mobilität. Das ist gut für die Umwelt und das gesellschaftliche Miteinander.

    Ihr lehrt Menschen ihre eigenen Fahrräder zu reparieren, ist denn überhaupt jeder fähig dazu?
    Für eine erfolgreiche Vermittlung von Wissen ist natürlich ein grundsätzliches Interesse und etwas Geduld Voraussetzung. Es geht nicht darum, jede_n zum Profi-Mechaniker zu machen, sondern darum die Berührungsängste abzubauen. Die Fertigkeiten für kleine Einstellarbeiten beim eigenen Fahrrad können wirklich jedem vermittelt werden. Durch die Arbeit am eigenen Rad lernen es die Menschen neu kennen und bauen eine neue Art von Beziehung dazu auf. Durch das selber Tun ändert sich aber hoffentlich auch die Art wie die Menschen mit anderen Herausforderungen des Alltags umgehen.

  • Interview mit Uniting Women (Finalist 2019)

    Wie kam euch die Idee und was machst ihr genau?

    Uns kam die Idee beie einer Dokumentation über geburtsthelderinnen in Afrika die kilometerlange Strecken zurücklegen zu müssen um ihre Patientinnen zu erreichen und uns debie aufgefalln ist dass es eine grosse Lücke gibt die gefüllt werden muss hinsichtlich Schwangerschaft, sexueller Aufklärung und Schwangerschaftsabbruch u.Ä. Es ist wichtig Frauen Ortsunabhängig und anonym Informationen kostenlos zugänglich zu machen. Wir versuchen diese Lücke zu füllen indem wir kostenlose Videos auf YouTube konzipieren und veröffentlichen.

    Wer sind eure Role Models?

    Keine bestimmten Vorbilder sondern finden alle Menschen vorbildhaft die sich für andere engagieren und nach Alternativen zu suchen und versuchen die Welt ihn ihrem möglichen Rahmen zu verbessern.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Wir sind sehr aufgeregt auf den weiteren Prozess des Projekts und freuen uns schon auf die weitere Entwicklung was das Einschlafen manchmal erschwert.

    Wie schafft ihr euch als Team, (oder nur ihr) Ausgleich?

    Ausgleiche finden wir im Sport aber auch in der Natur.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?    

    Wir hoffen mit unserem Projekt diesen Themenkomplex zu enttabuisieren  und Gesellschaftliche Debatten anzuregen. Letztendlich möchten wir erreichen dass Frauen einen unabhängigen Zugang an Informationen hab und ihre eigenen Entscheidungen treffen können.

  • Interview mit Hempstatic (Finalist 2019)

    Interview mit Elena von Hempstatic:

     

    Wie kam euch die Idee und was machst du/ihr genau?

    Stell dir den Prozess der Wissensweitergabe vor, wie Wissen mit der Zeit verbreitet wird und
    daraus neues Wissen entsteht, das auf dem vorherigen beruht. Darüber ist es faszinierend
    nachzudenken, dass die Spuren der Wissen von Vorzeiten so nachhaltig sind, dass sie sogar
    physisch in die Zukunft übertragen werden. Nehmen wir uralte Bauwerke und Kunstwerke als
    Beispiel. Sie bereichern uns mit Ideen über Komposition, Werkstoffe, Formen, geben uns
    Auskunft über die Haltbarkeit und Nachhaltigkeit von Strukturen sowie über die Lebensart und
    die Philosophie ihrer Schöpfer.
    Deswegen behaupte ich freilich, dass die Idee für unsere gegenwärtige Aktivitäten noch von
    der Jungsteinzeit stammt. Und von dieser Idee lassen wir uns begeistern und erschaffen
    Innovation.
    Wie noch in den Ellora-Höhlen in Indien, verwenden wir regionale pflanzliche
    (nachwachsende) Rohstoffe und gestalten aus diesen ökologisch verträgliche Bauelemente,
    die keine CO2-Belastung erzeugen und wiederverwertbar sind. Ihre Eigenschaft Kohlenstoff zu
    binden hilft einer Senkung der Treibhausgasemissionen bei der Herstellung zu erreichen. Die
    erste Produktlinie wird dem Raumakustik gewidmet.
    Somit wollen wir den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der Baubranche beschleunigen
    und erleichtern.

    Wer sind deine Role Models?
    Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch etwas Inspirierendes in sich trägt. Deswegen habe ich keine spezifischen Role Models sondern bleibe lieber offen für die unerwartete Learnings, die von jedem Menschen auskommen können.
    Treibkraft für meine persönliche Weiterbildung sind Charakteristiken wie Aufgeschlossenheit,
    Abenteurertum, Ungewöhnlichkeit, Dynamism, Selbstbestimmung, Lebensfreude, Wissbegier.

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?
    Wenn die Träume geopfert gehören, dann heißt es, dass die Inspiration oder Motivation,
    vielleicht beide in Kombination ins Spiel gekommen sind und Ideen in Ausführung mit Vollgas
    konvertieren. Dieser Vorgang stellt eine Zusatzmenge an Energie bereit. So könnten einerseits
    schlaflose Nächte zustande kommen, oder andererseits kann die Zeit kurz an Bedeutung
    verlieren.
    Ich habe es mir angeeignet, die Vielseitigkeit der Probleme zu betrachten und diese geduldig
    zu erforschen, weil unser Leben ist bunt, mehrkantig, komplex, also in mehr als nur einem
    Gedanke, einem Objekt oder einer Dimension verwickelt. Heuer wurde wissenschaftlich
    entdeckt, dass unser Gehirn neuronale Verknüpfungen von bis zu elf Dimensionen entwickelt,
    wenn es Informationen verarbeitet.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Wir haben den Weg zum Ausgleich auf natürlicher Art gefunden. Wohlfühlfaktoren wie
    Harmonie, Einverständnis und Sorgfalt liegen zugrunde. Menschlichkeit und Respekt
    gegenüber dem/der Anderen errichten die Philosophie von unserer Lebenseinstellung. Da sind
    wir uns einig.
    Bei hoher Turbulenz kann man sich auf diese Bausteine immer verlassen. Sonst, verstehen wir
    den Ausgleich wie eine Übergangsperiode, die immer wieder unter dem Einfluss des Zufalls in
    der Form von Unausgeglichenheit auftauchen kann. Für diese Situation bereiten wir uns auch
    gerne zumindest gedanklich vor.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?
    Bauwerke hinterlassen bleibende Auswirkungen auf die Menschen und Natur. Ihr
    Nutzungsdauer übertrifft den Dauer des menschlichen Lebens. Deswegen definieren die
    bautechnischen Entscheidungen von heute die Gestalt der Städte von morgen.
    Wir sind begeistert davon ein Bild von resilienteren und energie-effizienteren Städten
    auszumalen. Die ersten Skizzen wurden von unserem Team im Labor und auf dem Feld
    aufgezeichnet. Sie zeigen uns wie nachhaltige und ökologische Baulösungen zwei
    Industriezweige im Namen der grüneren Zukunft vereinigen – den Agrar- und Bausektor.
    Zufolge der Verwertung von Agrarrückständen wird ein Mehrwert für die Landwirte erschafft
    und simultan die Ausschöpfung von wertvollen und nicht erneuerbaren natürlichen
    Ressourcen, wie Mineralaggregaten verhindert. Wir wollen ein Vorbild für verantwortungsvollen
    Umgang mit Ressourcen und nachhaltige Produktion in der Baubranche werden.
    Mit Hempstatic streben wir danach einen Mehrwert für Industrien und Gesellschaft auf
    multiplen Ebenen mit der Implementierung ein bedarf-orientiertes Geschäftsmodell zu
    erschaffen, das auf die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung beruht. Durch diese
    Verkopplung erzielen wir einen Product-Market Fit zu erreichen und die nationalen und
    internationalen Klimaziele an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen
    anzupassen.
    Die Hauptziele im ökologischen Aspekt sind die umwelt- und gesundheitsschädliche Erzeugung
    von industriellen Abfällen zufolge Bauarbeiten zu minimieren und somit Umweltverschmutzung
    zu hemmen; die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und folglich die
    Energieeffizienz in Gebäuden zu erhöhen; die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft zu fordern
    und eine breite Palette von völlig verwertbaren Bauprodukten auf dem Markt zu bringen;
    wertvollen und nicht erneuerbaren Erdressourcen zu erhalten, in dem wir das Potential von
    gleichwertig oder leistungsstärkere Alternativen aufzeigen und umsetzen.

    Wie kann die lokale Wirtschaft durch euer Projekt revitalisiert werden?
    Wir sehen eine Möglichkeit den Aufbau dynamischer Netzwerke für effizientere Nutzung der
    verfügbaren Ressourcen in Wien und der Umgebung voranzutreiben und somit die Entwicklung
    einer lokal-orientierten Kreislaufwirtschaft zu fordern.
    Wir erzielen zwei Industrien zu verbinden, deren Berührungspunkte stärker ausgeprägt gehören,
    und somit eine Kommunikationslücke in der Abfallwirtschaft zu schließen. Das Hauptziel hier ist
    lokale Wertschöpfungsketten zu pflegen. Mithin eröffnen wir eine neue Einnahmequelle für die
    Landwirte und unterstützen die regionale Entwicklung in beiden Sektoren.
    Wir haben persönlich über ihre Bereitschaft erfahren, uns die Nebenprodukte nach der Ernte
    zur Verfügung zu stellen. Die soziale Auswirkung von Hempstatic trägt zu der Aufstellung einer
    neuen Geschäftskommunikation im Agrarsektor.

    Warum genau Hanf?
    Wir wählen Nutzhanf für die Herstellung unserer Produkte, weil diese Pflanze eine wichtige
    ökonomische und ökologische Bedeutung hat.
    Merkwürdige Vorteile von der Pflanzenart und seiner Derivativen sind die Robustheit und
    Wärmespeichereigenschaften. Die Hanfschäben besitzen einen ungewöhnlich hohen für
    organische Rohstoffe Inhalt an Siliziumdioxid, der starke Bindungen in alkalischem Umfeld
    gewährleistet. Deswegen eignen sich die Schäben für perfekte Bioaggregate.
    Außerdem, gräbt die Hanfpflanze ihre Wurzeln ganz tief in der Erde. Sie zieht ihre Nährstoffen
    aus den untersten Erdschichten und bringt sie bis an die Oberfläche. Die nachfolgenden
    Pflanzen profitieren dann von den nährstoffhaltigen Böden. Hanfkulturen erfordern keine
    chemische Behandlung und erleichtern somit den Bioanbau. Dazu sind sie schnell-wachsend.
    Innerhalb von 3 bis 4 Monaten erreicht der Nutzhanf Höhen bis zu 4 m. In Hanfthal, NÖ durften
    wir erfahren, dass die höchsten Pflanzen dort sogar die 4m – Marke überschritten haben.
    Während der Wachstumsphase, absorbiert der Nutzhanf 22 Tonnen CO2 pro Hektar.
    Im Umkreis von weniger als 100 km von Wien, wird jährlich Hanf auf einer Fläche von mehr als
    500 ha angebaut, Österreich-weit – mehr als 1200 ha. Mehr als 50 000 verschiedene Produkte
    können aus Nutzhanf hergestellt werden. Hauptsächlich wird er für die Herstellung von Fasern,
    Ölen, Nahrungs- und Heilmitteln usw. angebaut, also ist eine bedeutsame Feldfrucht für
    mehrere Industriezweige. Die Produkte, die daraus erzeugt werden, sind so hochwertig, dass
    es wirtschaftlich nicht zumutbar ist, Nutzhanf nur für Gewinnung von Hanfschäben anzubauen.
    Deswegen stellen die Schäben ein Nebenprodukt dar. Sie waren noch in der Vergangenheit
    ein Nebenprodukt der Faserindustrie.
    Die Verwendung von erneuerbaren Nutzpflanzen als Rohstoffe in der Bauindustrie steht im
    Einklang mit der Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren bebauten Umwelt. Die Art und Weise,
    wie die bebaute Umwelt natürliche Ressourcen ausschöpft, zeigt uns, dass sie zu einer der
    bedeutendsten Beiträgern zu globalen Umweltproblemen ist. Daher ist der Übergang zur
    Einsatz nachwachsender Rohstoffe dringend.

     

  • Interview mit hinter-land (Finalist 2019)

    “hinter-land” ist ein interaktiver Audioguide der die Geschichten, Zukunftsvisionen, und Ideen von auf dem Land lebende Menschen den Hörer*innen aufgreift und so Raum für Austausch zwischen Stadt und Land, Besuchern und Bewohnern und Hörerinnen und Hörern ermöglicht.

    Wie kam dir die Idee und was machst du genau?

    Die Idee entstand im Rahmen meiner Masterarbeit im Ökosozialen Design. Ich habe mich zunächst mit Stadt-Land-Beziehungen auseinandergesetzt und festgestellt, dass zwei realitätsferne und veraltete Bilder die öffentliche Wahrnehmung und Debatte dominieren: Das der abgehängten Ödnis und das der romantischen Idylle. Mit diesen Wahrnehmungsbildern können keine kreativen Ideen für die Zukunft entstehen. Dass Land noch viel mehr ist und es bereits viele engagierte Initiativen gibt, die mit Motivation und Optimismus Neues aufbauen, möchte ich mit meinem Projekt, dem Audioguide “hinter–land”, vermitteln. Mit ihm kann man ländliche Orte und ihr Potenzial (neu) entdecken, indem man den persönlichen Geschichten der Engagierten lauscht.

    Wer sind deine Role Models?

    Mich beeindrucken Menschen, die sich für eine offene, vielfältige Gesellschaft und nachhaltige Lebensweisen engagieren, für ihre Überzeugungen einstehen und dabei reflektiert und bewusst auf sich und ihre Umgebung schauen. Bei der Arbeit an hinter–land durfte ich davon schon einige treffen. Gerade auf dem Land gilt es, gegen viele Widerstände anzukämpfen, dabei nicht die Motivation zu verlieren, sondern kreativ mit Herausforderungen umzugehen, ist schon eine bewundernswerte Leistung. Ich bewundere auch Menschen die es schaffen, für ihre Überzeugungen einzustehen selbst-reflektiert und bewusst Geduld und sich dabei selbst nicht zu wichtig zu nehmen. für offene, vielfältige Gesellschaft und nachhaltige Lebensweisen Respekt für sich und andere

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?

    Ich arbeite gerade an vielen verschiedenen Projekten mit und es öffnen sich ständig neue Möglichkeiten. Da habe ich schon manchmal das Gefühl, den Überblick zu verlieren, Wichtiges zu verpassen und vielleicht die falschen Entscheidungen zu treffen. Die Lebensphase, in der ich gerade bin, ist ziemlich nervenaufreibend. Gleichzeitig bin ich extrem dankbar, dass ich überhaupt die Freiheit genieße, all das tun zu können und meine eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen.

    Wie schaffst du dir Ausgleich?

    Ab und zu braucht man einfach Momente, in denen man die Arbeit bzw. das Projekt links liegen lässt und sich voll und ganz auf andere Dinge konzentriert. Ein Ausflug oder auch nur ein gemütliches Essen mit Freunden tut da wahre Wunder. Außerdem holt mich das Zeitunglesen immer wieder auf den Boden der Tatsachen, da merke ich immer, was die Welt außerhalb meiner kleinen Blase bewegt.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?

    Mit dem Projekt soll ein Wahrnehmungswandel beschleunigt werden. Es ist nicht so einfach, diesen  nach kurzer Zeit deutlich erkennen oder gar messen zu können. Aber schon bei dem ersten Test in einer Kleinstadt in Brandenburg habe ich viel positives Feedback bekommen: Die Engagierten, mit denen ich gesprochen habe, waren stolz ihre Geschichten erzählen zu können und haben sich teilweise durch den Audioguide gegenseitig kennengelernt. Die Hörer*innen bzw. Entdecker*innen haben mir bestätigt, dass sie die Stadt jetzt mit anderen Augen sehen und Einiges erfahren und gesehen haben, was sie nicht erwartet hatten. Letztendlich geht es um die Wertschätzung für die Initiativen und das Aufzeigen neuer Perspektiven.

    Hat man im Hinterland überhaupt genug Empfang für Audioguides?

    Der Internetempfang auf dem Land ist tatsächlich eine der großen Herausforderungen für den hinter–land-Audioguide. Ich versuche deshalb, eine technische Lösung zu planen, die es ermöglicht, die Audiodateien an einem Ort mit WLAN vorzuladen – beispielsweise an Bahnhöfen, bei der Tourismusinformation oder einfach zu Hause. Das schränkt leider die Möglichkeiten ziemlich ein, aber mit dem zunehmenden Ausbau der Netze kann man zukünftig ja auch den Audioguide noch weiterentwickeln.

    Du kommst aus Berlin. Woher das Interesse an ländlichen Gegenden?

    Bis auf meine Eltern lebt meine gesamte Familie in eher ländlich geprägten Regionen, ich kenne also durchaus nicht nur das städtische Leben. In den letzten Jahren ist das Land außerdem immer stärker in den Medien thematisiert worden, vom Rechtsruck und von Abgehängtheit ist die Rede –  dort müssen wir als Gestalter ansetzen, wenn wir die Gesellschaft positiv beeinflussen wollen und unseren Blick über die urbanen Zentren hinaus weiten.

  • Interview mit feelgood-kids (Finalist 2019)

    Selbstbewusstsein, Achtsamkeit und vor allem Selbstliebe sind Dinge die nicht in der Schule unterrichtet werden. Falsch, finden die Gründerinnen von FeelGood-Kids, denn auch Werte wie eben Selbstliebe sollten ein Schulfach sein wie Mathematik, Englisch oder Deutsch.

     

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Vor rund 4 Jahren hat Eva Juratovac (Co-Founderin) ein Buch am Flohmarkt geschenkt bekommen, mit dem Titel “Roots of Empathy – Change the World Child by Child”. Die Grundidee, die die Autorin im Buch beschreibt, hat sie nicht mehr losgelassen. Daraus entstand mit den Jahren die Idee für das heutige FeelGood-Kids Konzept. Auch die persönliche Erfahrung spielt eine große Rolle – da sind sich die drei Co-Founderinnen einig.

    Als Elementarpädagogin darf Karin Stiefelbauer täglich erfahren, wie wertvoll die Bildung emotionaler Kompetenzen für die Entwicklung von Kindern ist. Mit Lene Kern ist das Gründerinnen-Team komplett, wobei sie vor allem alle Bälle in der Luft hält und das Projektmanagement übernimmt. Mit FeelGood-Kids unterstützen wir Volksschulkinder dabei, ihre Gefühle wahrzunehmen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und legen damit gemeinsam den Grundstein für eine hohe Resilienz.

    Wer sind eure Role Models?

    Es gibt einige Pioniere in der Arbeit mit Kindern, das zeigt sich vor allem durch die Arbeit vieler Einzelner im Bereich Achtsamkeit, Mentaltraining und Glücksforschung für Kinder und an Schulen. Gerald Hüther ist ein inspirierender Vorreiter der Branche. Der Weg zur Potentialentfaltung für Kinder und Erwachsene steht für den Neurobiologen im Vordergrund. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    In der stressigen und aufregenden Gründerphase den Fokus auf persönliche Themen nicht zu verlieren und die eigenen Methoden auch selbst anzuwenden. Das Üben von Achtsamkeit und Entspannungstraining im Team zum Beispiel.

    Wie schafft ihr euch im Team Ausgleich?

    Das Gründerteam liebt Routinen, die das Wir-Gefühl stärken. Das Ritual des “Ankommens” ist eines davon. Dabei nehmen sich alle eine Minute Zeit mit geschlossenen Augen bei sich anzukommen, bevor wir dann motiviert losstarten. Eine Schüssel voller Heidelbeeren ist ebenfalls Fixstarter bei jedem Meeting. Teamevents wie Wandern, Eis essen und gemeinsam Erfolge feiern stehen auch am Programm.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld? 

    Das Team wendet sich mit einem Semesterprogramm an Hortbetreuungseinrichtungen und Volksschulklassen. Die Kinder lernen in einer Workshopreihe spielerisch sich seiner selbst bewusst zu sein und die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Glückskompetenz, Achtsamkeit, Stress- und Entspannungsübungen, sowie Körperwahrnehmungstraining spielen dabei eine große Rollen. Im September startet das Team von “FeelGood-Kids” mit einem ersten Pilotprojekt an einer Partnerschule in Wien.

    Lernen Kinder nicht automatisch Werte wie Mitgefühl und Wertschätzung in der Schule? 

    Die Qualitäten Mitgefühl und Wertschätzung sind Potenziale, die jedem Menschen von Geburt an in die Wiege gelegt werden. Abhängig von dem Umfeld und der Erziehung können diese Qualitäten jedoch in Vergessenheit geraten, verdrängt oder als “falsch” bewertet werden. Im heutigen Schul- und Arbeitsumfeld sind wir sehr stark auf Leistung und Wissen fokussiert. Mit diesem Fokus werden wir auch häufig erzogen. Somit geraten andere Qualitäten oft in eine falsche Bewertung oder Vergessenheit. Für die Gemeinschaft und die Teamarbeit ist es jedoch von unglaublichem Wert sich Qualitäten wie Mitgefühl und Wertschätzung wieder bewusst zu machen. Diese danach auch aktiv und bewusst als Fähigkeit anzunehmen und zu nutzen.

    Wie oder auf welche Weise bringt ihr Kindern diese Werte bei?

    In den angebotenen Workshops begleiten wir Schulklassen und Hortgruppen über ein Semester. Dabei werden Methoden genutzt, die von Fachexperten wie Jesper Juul über jahrelange wissenschaftliche und praktische Erfahrung aufgebaut wurden. Mittels Achtsamkeit und der bewussten Aufmerksamkeit auf Körper, Geist und Emotionen, trainieren die Kinder in spielerischen Übungen sich seiner selbst mehr bewusst zu werden.

  • Interview mit Vienna Hobby Lobby (Finalist 2019)

    Geige, Fußball oder Reiten? Was nach typischen Freizeitgestaltungen für Kinder und Jugendlichen klingt ist in Wirklichkeit keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Vienna Hobby Lobby stellt interaktive Freizeitgestaltung für Schüler zur Verfügung und stellt so eine einen wichtigen Beitrag zur Freizeitgestaltung und so auch für die Gesellschaft Wiens dar.

     

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Freizeitgestaltung und Interessenfindung sind ein Privileg in unserer Gesellschaft. Im Laufe unserer Unterrichtszeit an Neuen Mittelschulen wurde uns zunehmend klarer, dass unsere Schüler*innen an der NMS selten Zugang zu Freizeitangebot haben. Das hat unter anderem finanzielle Gründe. Sie langweilen sich deshalb oft zuhause oder vor dem Smartphone.

    Das Team rund um die Vienna Hobby Lobby besteht aus Teach for Austria Alumni, die sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzen wollen. Und Bildung endet nun mal nicht in der Schule, sondern geht darüber hinaus bis zur Freizeit.

    Besonders inspiriert wurden wir von einer Schülerin, die immer noch bis zum Nachmittag in der Schule blieb, obwohl sie längst frei hatte. Wir möchten Schüler*innen wie ihr ein völlig kostenloses Freizeitangebot ermöglichen.

    Wer sind eure Role Models?

    Vorbilder gibt es für uns so viele, all jene die anpacken wollen und sich einen Job mit Sinn suchen. Alle die, die in der Gesellschaft etwas verändern wollen, sich für Gerechtigkeit einsetzen und im sozialen Sektor tätig werden.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die nachhaltige Finanzierung unserer Idee bereitet uns seit Beginn ein wenig Kopfzerbrechen.

    Es ist schwierig ein kostenloses Angebot für eine geringverdienende Zielgruppe zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Mietausgaben und Personalkosten zu stemmen.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?

    Wenn uns die Köpfe rauchen und wir mal wieder zu viel gearbeitet haben, hilft es uns auch mal gemütlich Kaffee trinken oder Essen zu gehen und über etwas ganz Anderes zu plaudern.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?   

    Durch unser Projekt ermöglichen wir Jugendlichen rund um den 10. Bezirk Interessen zu entwickeln, Hobbys zu verfolgen und ihre Kreativität oder Sportlichkeit aus zu leben. Wir schaffen ihnen ein zweites Zuhause, wenn ihnen die Langeweile zu viel wird oder sie sich nach Unterhaltung und Beschäftigung sehnen.

    Warum haben Jugendliche heutzutage so große Schwierigkeiten eine Freizeitbeschäftigung zu finden?

    Einerseits ist ein Freizeitkurs mittlerweile extrem teuer. Ein Semester in der Tanzschule kostet 200€, ein Schwimmkurs 150€ für 10 Einheiten, beim Fußball kommt die Vereinspauschale dazu…Da kommt schnell ein ordentlicher Betrag zusammen. Außerdem zählt die Unterstützung der Eltern maßgeblich – in manchen Familien sind die Eltern dahinter, dass die Kinder sich in der Freizeit mit ihren Interessen beschäftigen, bei unseren Kids hingegen fehlt hier oft die Unterstützung von zuhause.

    Bekommt ihr bestimmte Trends bezüglich dem Freizeitverhalten bei Kindern mit?

    Durch eine Umfrage ist uns aufgefallen, dass die Kinder gar nicht mehr genau bestimmen können, was ein Hobby überhaupt ist. Sie geben “Smartphones”, “mit Freunden chillen” und “Fortnite” als Freizeitgestaltung an und kennen kaum ein Alternativprogramm dazu. Ein Instrument lernen ist eher out, alles was modern klingt wie “Street Art” oder “Hip Hop” wird interessanter. Generell müssen sich die Jugendlichen einfach mal ausprobieren und brauchen einen einfachen und kostenlosen Zugang zu Freizeitprogramm.