• Interview mit fragaria (Finalist 2020)

    Fragaria, ein Jungunternehmen, gegründet von Schülerinnen im Zuge eines Schulprojekts, beschäftigt sich mit der Stigmatisierung der Menstruation und will mit Aufklärungsarbeit, sowie ihren entwickelten Taschen für Tampons, Binden & Co. aktiv dagegen handeln. Warum ihnen dieses Thema am Herzen liegt und wie ihre Taschen aussehen, könnt ihr im folgenden Beitrag nachlesen.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Fragaria ist im Zuge eines Schulprojektes als sogenannte Junior company entstanden. Hierbei handelt es sich als ein „Übungsunternehmen“, dass mit realem Geld- und Warenverkehr ein Schuljahr lang von SchülerInnen geführt wird. Wir wussten von Anfang an, dass wir etwas Feministisches bzw. etwas im Zusammenhang mit Menstruation machen wollen und kamen dann auch relativ schnell auf unser Produkt, die PMS. Dies ist eine Tasche zur Aufbewahrung und zum Transport von Menstruationsartikeln. Zudem leisten wir auf Social Media Aufklärungsarbeit zum Thema Menstruation und Feminismus und wollen als Brand die Periode weiter destigmatisieren.

    Wer sind eure Role Models?

    Unsere Role Models sind einerseits Menschen, die einen Beitrag zur Gleichberechtigung beigetragen haben (schaut dazu auf unserem Instagram-Profil vorbei unter dem Highlight „Womens Wednesday“), sowie Unternehmen, die sich mit dem Tabu befassen und dagegen arbeiten, wie z.B. meine Wollke, Erdbeerewoche, einhorn etc.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Im Moment verschafft uns der Umstand, dass wir ein Unternehmen gründen müssen schlaflose Nächte, da wir, anders als gedacht, Fragaria nicht als Junior Company weiterführen können. Da die Mitglieder noch minderjährig sind, benötigen wir eine volljährige Person, die die Firma übernimmt, bis wir alt genug sind. Alles in allem ist das ein riesiger bürokratischer Aufwand.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Ausgleich verschaffen wir uns dadurch, dass wir uns die Arbeit so aufteilen, dass niemand alles machen muss und so jede genug Zeit hat, sich anderweitig zu beschäftigen.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Unser Impact ist, dass wir jungen menstruierenden Menschen dabei helfen, frei und schamlos mit ihrem Körper umzugehen. Wir leben als Vorbilder vor, bieten hilfreiche Produkte an und zeigen mit unseren Social Media Kampagnen, dass es keinen Grund gibt sich für etwas so Natürliches, wie die Menstruation, zu schämen.

    Wie sehen eure Taschen aus?
    Die PMS gibt es in drei verschiedenen Varianten, die PMS, die PMS micro und die PMS maxi.
    Die PMS ist eine Reisverschlusstasche, die genau in eine Hosentasche hineinpasst. Sie beinhaltet ein „Tamponmagazin“, eine Anreihung elastischer Schlaufen, in der 7-8 Tampons praktisch aufbewahrt werden können. Außerdem beinhaltet sie eine Innentasche für z.B. Schmerzmittel. Die PMS maxi ist eine größere, wasserabweisende Toilettetasche, die neben dem Tamponmagazin noch zwei Innenfächer beinhaltet. Die PMS micro ist eine Schlüsselanhänger-Tasche, in die 4-6 Tampons hineinpassen. 
    Da wir ausschließlich mit secondhand-Stoffen bzw. Stoffresten arbeiten, ist jede Tasche ein Unikat.

    Was bedeutet der Name?

    Der Name „Fragaria“ ist Latein und bedeutet „Erdbeere“, was eine Anspielung auf den Begriff „Erdbeerwoche“, ein Kosewort für die Menstruation, sein soll. PMS steht für Period Management System und ist gleichzeitig ein Wortspiel mit der Abkürzung für das prämenstruelle Syndrom. 

    Was bedarf es noch im Kampf gegen die Stigmatisierung?

    Im Kampf gegen die Stigmatisierung bedarf es, dass vor allem junge Menschen, die gerade erst zu menstruieren begonnen haben, offen und ehrlich darüber reden können und so leichter Zugang zu Hilfestellungen und Tipps bekommen können. Außerdem sollten auch nicht-menstruierende Menschen informiert werden. Dies ist im Moment aufgrund des großen Tabus nicht so. Auch die Besteuerung von Menstruationsartikeln muss offen angesprochen werden.