• Interview mit Hempstatic (Finalist 2019)

    Interview mit Elena von Hempstatic:

     

    Wie kam euch die Idee und was machst du/ihr genau?

    Stell dir den Prozess der Wissensweitergabe vor, wie Wissen mit der Zeit verbreitet wird und
    daraus neues Wissen entsteht, das auf dem vorherigen beruht. Darüber ist es faszinierend
    nachzudenken, dass die Spuren der Wissen von Vorzeiten so nachhaltig sind, dass sie sogar
    physisch in die Zukunft übertragen werden. Nehmen wir uralte Bauwerke und Kunstwerke als
    Beispiel. Sie bereichern uns mit Ideen über Komposition, Werkstoffe, Formen, geben uns
    Auskunft über die Haltbarkeit und Nachhaltigkeit von Strukturen sowie über die Lebensart und
    die Philosophie ihrer Schöpfer.
    Deswegen behaupte ich freilich, dass die Idee für unsere gegenwärtige Aktivitäten noch von
    der Jungsteinzeit stammt. Und von dieser Idee lassen wir uns begeistern und erschaffen
    Innovation.
    Wie noch in den Ellora-Höhlen in Indien, verwenden wir regionale pflanzliche
    (nachwachsende) Rohstoffe und gestalten aus diesen ökologisch verträgliche Bauelemente,
    die keine CO2-Belastung erzeugen und wiederverwertbar sind. Ihre Eigenschaft Kohlenstoff zu
    binden hilft einer Senkung der Treibhausgasemissionen bei der Herstellung zu erreichen. Die
    erste Produktlinie wird dem Raumakustik gewidmet.
    Somit wollen wir den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der Baubranche beschleunigen
    und erleichtern.

    Wer sind deine Role Models?
    Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch etwas Inspirierendes in sich trägt. Deswegen habe ich keine spezifischen Role Models sondern bleibe lieber offen für die unerwartete Learnings, die von jedem Menschen auskommen können.
    Treibkraft für meine persönliche Weiterbildung sind Charakteristiken wie Aufgeschlossenheit,
    Abenteurertum, Ungewöhnlichkeit, Dynamism, Selbstbestimmung, Lebensfreude, Wissbegier.

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?
    Wenn die Träume geopfert gehören, dann heißt es, dass die Inspiration oder Motivation,
    vielleicht beide in Kombination ins Spiel gekommen sind und Ideen in Ausführung mit Vollgas
    konvertieren. Dieser Vorgang stellt eine Zusatzmenge an Energie bereit. So könnten einerseits
    schlaflose Nächte zustande kommen, oder andererseits kann die Zeit kurz an Bedeutung
    verlieren.
    Ich habe es mir angeeignet, die Vielseitigkeit der Probleme zu betrachten und diese geduldig
    zu erforschen, weil unser Leben ist bunt, mehrkantig, komplex, also in mehr als nur einem
    Gedanke, einem Objekt oder einer Dimension verwickelt. Heuer wurde wissenschaftlich
    entdeckt, dass unser Gehirn neuronale Verknüpfungen von bis zu elf Dimensionen entwickelt,
    wenn es Informationen verarbeitet.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Wir haben den Weg zum Ausgleich auf natürlicher Art gefunden. Wohlfühlfaktoren wie
    Harmonie, Einverständnis und Sorgfalt liegen zugrunde. Menschlichkeit und Respekt
    gegenüber dem/der Anderen errichten die Philosophie von unserer Lebenseinstellung. Da sind
    wir uns einig.
    Bei hoher Turbulenz kann man sich auf diese Bausteine immer verlassen. Sonst, verstehen wir
    den Ausgleich wie eine Übergangsperiode, die immer wieder unter dem Einfluss des Zufalls in
    der Form von Unausgeglichenheit auftauchen kann. Für diese Situation bereiten wir uns auch
    gerne zumindest gedanklich vor.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?
    Bauwerke hinterlassen bleibende Auswirkungen auf die Menschen und Natur. Ihr
    Nutzungsdauer übertrifft den Dauer des menschlichen Lebens. Deswegen definieren die
    bautechnischen Entscheidungen von heute die Gestalt der Städte von morgen.
    Wir sind begeistert davon ein Bild von resilienteren und energie-effizienteren Städten
    auszumalen. Die ersten Skizzen wurden von unserem Team im Labor und auf dem Feld
    aufgezeichnet. Sie zeigen uns wie nachhaltige und ökologische Baulösungen zwei
    Industriezweige im Namen der grüneren Zukunft vereinigen – den Agrar- und Bausektor.
    Zufolge der Verwertung von Agrarrückständen wird ein Mehrwert für die Landwirte erschafft
    und simultan die Ausschöpfung von wertvollen und nicht erneuerbaren natürlichen
    Ressourcen, wie Mineralaggregaten verhindert. Wir wollen ein Vorbild für verantwortungsvollen
    Umgang mit Ressourcen und nachhaltige Produktion in der Baubranche werden.
    Mit Hempstatic streben wir danach einen Mehrwert für Industrien und Gesellschaft auf
    multiplen Ebenen mit der Implementierung ein bedarf-orientiertes Geschäftsmodell zu
    erschaffen, das auf die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung beruht. Durch diese
    Verkopplung erzielen wir einen Product-Market Fit zu erreichen und die nationalen und
    internationalen Klimaziele an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen
    anzupassen.
    Die Hauptziele im ökologischen Aspekt sind die umwelt- und gesundheitsschädliche Erzeugung
    von industriellen Abfällen zufolge Bauarbeiten zu minimieren und somit Umweltverschmutzung
    zu hemmen; die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und folglich die
    Energieeffizienz in Gebäuden zu erhöhen; die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft zu fordern
    und eine breite Palette von völlig verwertbaren Bauprodukten auf dem Markt zu bringen;
    wertvollen und nicht erneuerbaren Erdressourcen zu erhalten, in dem wir das Potential von
    gleichwertig oder leistungsstärkere Alternativen aufzeigen und umsetzen.

    Wie kann die lokale Wirtschaft durch euer Projekt revitalisiert werden?
    Wir sehen eine Möglichkeit den Aufbau dynamischer Netzwerke für effizientere Nutzung der
    verfügbaren Ressourcen in Wien und der Umgebung voranzutreiben und somit die Entwicklung
    einer lokal-orientierten Kreislaufwirtschaft zu fordern.
    Wir erzielen zwei Industrien zu verbinden, deren Berührungspunkte stärker ausgeprägt gehören,
    und somit eine Kommunikationslücke in der Abfallwirtschaft zu schließen. Das Hauptziel hier ist
    lokale Wertschöpfungsketten zu pflegen. Mithin eröffnen wir eine neue Einnahmequelle für die
    Landwirte und unterstützen die regionale Entwicklung in beiden Sektoren.
    Wir haben persönlich über ihre Bereitschaft erfahren, uns die Nebenprodukte nach der Ernte
    zur Verfügung zu stellen. Die soziale Auswirkung von Hempstatic trägt zu der Aufstellung einer
    neuen Geschäftskommunikation im Agrarsektor.

    Warum genau Hanf?
    Wir wählen Nutzhanf für die Herstellung unserer Produkte, weil diese Pflanze eine wichtige
    ökonomische und ökologische Bedeutung hat.
    Merkwürdige Vorteile von der Pflanzenart und seiner Derivativen sind die Robustheit und
    Wärmespeichereigenschaften. Die Hanfschäben besitzen einen ungewöhnlich hohen für
    organische Rohstoffe Inhalt an Siliziumdioxid, der starke Bindungen in alkalischem Umfeld
    gewährleistet. Deswegen eignen sich die Schäben für perfekte Bioaggregate.
    Außerdem, gräbt die Hanfpflanze ihre Wurzeln ganz tief in der Erde. Sie zieht ihre Nährstoffen
    aus den untersten Erdschichten und bringt sie bis an die Oberfläche. Die nachfolgenden
    Pflanzen profitieren dann von den nährstoffhaltigen Böden. Hanfkulturen erfordern keine
    chemische Behandlung und erleichtern somit den Bioanbau. Dazu sind sie schnell-wachsend.
    Innerhalb von 3 bis 4 Monaten erreicht der Nutzhanf Höhen bis zu 4 m. In Hanfthal, NÖ durften
    wir erfahren, dass die höchsten Pflanzen dort sogar die 4m – Marke überschritten haben.
    Während der Wachstumsphase, absorbiert der Nutzhanf 22 Tonnen CO2 pro Hektar.
    Im Umkreis von weniger als 100 km von Wien, wird jährlich Hanf auf einer Fläche von mehr als
    500 ha angebaut, Österreich-weit – mehr als 1200 ha. Mehr als 50 000 verschiedene Produkte
    können aus Nutzhanf hergestellt werden. Hauptsächlich wird er für die Herstellung von Fasern,
    Ölen, Nahrungs- und Heilmitteln usw. angebaut, also ist eine bedeutsame Feldfrucht für
    mehrere Industriezweige. Die Produkte, die daraus erzeugt werden, sind so hochwertig, dass
    es wirtschaftlich nicht zumutbar ist, Nutzhanf nur für Gewinnung von Hanfschäben anzubauen.
    Deswegen stellen die Schäben ein Nebenprodukt dar. Sie waren noch in der Vergangenheit
    ein Nebenprodukt der Faserindustrie.
    Die Verwendung von erneuerbaren Nutzpflanzen als Rohstoffe in der Bauindustrie steht im
    Einklang mit der Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren bebauten Umwelt. Die Art und Weise,
    wie die bebaute Umwelt natürliche Ressourcen ausschöpft, zeigt uns, dass sie zu einer der
    bedeutendsten Beiträgern zu globalen Umweltproblemen ist. Daher ist der Übergang zur
    Einsatz nachwachsender Rohstoffe dringend.