• Interview mit hinter-land (Finalist 2019)

    “hinter-land” ist ein interaktiver Audioguide der die Geschichten, Zukunftsvisionen, und Ideen von auf dem Land lebende Menschen den Hörer*innen aufgreift und so Raum für Austausch zwischen Stadt und Land, Besuchern und Bewohnern und Hörerinnen und Hörern ermöglicht.

    Wie kam dir die Idee und was machst du genau?

    Die Idee entstand im Rahmen meiner Masterarbeit im Ökosozialen Design. Ich habe mich zunächst mit Stadt-Land-Beziehungen auseinandergesetzt und festgestellt, dass zwei realitätsferne und veraltete Bilder die öffentliche Wahrnehmung und Debatte dominieren: Das der abgehängten Ödnis und das der romantischen Idylle. Mit diesen Wahrnehmungsbildern können keine kreativen Ideen für die Zukunft entstehen. Dass Land noch viel mehr ist und es bereits viele engagierte Initiativen gibt, die mit Motivation und Optimismus Neues aufbauen, möchte ich mit meinem Projekt, dem Audioguide “hinter–land”, vermitteln. Mit ihm kann man ländliche Orte und ihr Potenzial (neu) entdecken, indem man den persönlichen Geschichten der Engagierten lauscht.

    Wer sind deine Role Models?

    Mich beeindrucken Menschen, die sich für eine offene, vielfältige Gesellschaft und nachhaltige Lebensweisen engagieren, für ihre Überzeugungen einstehen und dabei reflektiert und bewusst auf sich und ihre Umgebung schauen. Bei der Arbeit an hinter–land durfte ich davon schon einige treffen. Gerade auf dem Land gilt es, gegen viele Widerstände anzukämpfen, dabei nicht die Motivation zu verlieren, sondern kreativ mit Herausforderungen umzugehen, ist schon eine bewundernswerte Leistung. Ich bewundere auch Menschen die es schaffen, für ihre Überzeugungen einzustehen selbst-reflektiert und bewusst Geduld und sich dabei selbst nicht zu wichtig zu nehmen. für offene, vielfältige Gesellschaft und nachhaltige Lebensweisen Respekt für sich und andere

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?

    Ich arbeite gerade an vielen verschiedenen Projekten mit und es öffnen sich ständig neue Möglichkeiten. Da habe ich schon manchmal das Gefühl, den Überblick zu verlieren, Wichtiges zu verpassen und vielleicht die falschen Entscheidungen zu treffen. Die Lebensphase, in der ich gerade bin, ist ziemlich nervenaufreibend. Gleichzeitig bin ich extrem dankbar, dass ich überhaupt die Freiheit genieße, all das tun zu können und meine eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen.

    Wie schaffst du dir Ausgleich?

    Ab und zu braucht man einfach Momente, in denen man die Arbeit bzw. das Projekt links liegen lässt und sich voll und ganz auf andere Dinge konzentriert. Ein Ausflug oder auch nur ein gemütliches Essen mit Freunden tut da wahre Wunder. Außerdem holt mich das Zeitunglesen immer wieder auf den Boden der Tatsachen, da merke ich immer, was die Welt außerhalb meiner kleinen Blase bewegt.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?

    Mit dem Projekt soll ein Wahrnehmungswandel beschleunigt werden. Es ist nicht so einfach, diesen  nach kurzer Zeit deutlich erkennen oder gar messen zu können. Aber schon bei dem ersten Test in einer Kleinstadt in Brandenburg habe ich viel positives Feedback bekommen: Die Engagierten, mit denen ich gesprochen habe, waren stolz ihre Geschichten erzählen zu können und haben sich teilweise durch den Audioguide gegenseitig kennengelernt. Die Hörer*innen bzw. Entdecker*innen haben mir bestätigt, dass sie die Stadt jetzt mit anderen Augen sehen und Einiges erfahren und gesehen haben, was sie nicht erwartet hatten. Letztendlich geht es um die Wertschätzung für die Initiativen und das Aufzeigen neuer Perspektiven.

    Hat man im Hinterland überhaupt genug Empfang für Audioguides?

    Der Internetempfang auf dem Land ist tatsächlich eine der großen Herausforderungen für den hinter–land-Audioguide. Ich versuche deshalb, eine technische Lösung zu planen, die es ermöglicht, die Audiodateien an einem Ort mit WLAN vorzuladen – beispielsweise an Bahnhöfen, bei der Tourismusinformation oder einfach zu Hause. Das schränkt leider die Möglichkeiten ziemlich ein, aber mit dem zunehmenden Ausbau der Netze kann man zukünftig ja auch den Audioguide noch weiterentwickeln.

    Du kommst aus Berlin. Woher das Interesse an ländlichen Gegenden?

    Bis auf meine Eltern lebt meine gesamte Familie in eher ländlich geprägten Regionen, ich kenne also durchaus nicht nur das städtische Leben. In den letzten Jahren ist das Land außerdem immer stärker in den Medien thematisiert worden, vom Rechtsruck und von Abgehängtheit ist die Rede –  dort müssen wir als Gestalter ansetzen, wenn wir die Gesellschaft positiv beeinflussen wollen und unseren Blick über die urbanen Zentren hinaus weiten.