• Interview mit Lenkerbande (Finalist 2019)

    Unter dem Motto: “Räder für Alle” verbindet das Projekt Lenkerbande ihre Liebe zu Fahrrädern und sozialem Engagement und repariert zusammen mit Menschen aus allen Hintergründen Fahrrädern und kreieren so ganz nebenbei eine Community, von welchen es in der Stadt Wien definitiv noch nicht zur Genüge gibt.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?
    Wir möchten gemeinsam mit sozial benachteiligten Personen Fahrräder reparieren und diese anschließend verschenken oder (günstig) verkaufen. Gleichzeitig bieten wir so mit einer Community aus freiwilligen Fahrradbegeisterten einen niederschwelligen Zugang zu Fahrradreparatur-Infrastruktur für alle. Unser Ziel ist es, so vielen Leuten wie möglich einen günstigen Zugang zu einem Fahrrad zu bieten und dadurch ihre Mobilität und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
    Mit unserem Vorgängerprojekt “IntegRADsion” haben wir schon 2015 gemeinsam mit Geflüchteten Fahrräder repariert und dabei gelernt, dass es kaum Möglichkeiten gibt, sich ein gutes, günstiges Fahrrad zu kaufen. Außerdem lernten wir, dass viele Kunden nicht nach dem neuesten Rad suchen sondern nach einem zuverlässigen Fortbewegungsmittel dass sie sicher durch den Alltag bringt. Diese Lücke schließen wir: Wir retten Fahrräder vor der Schrottpresse und machen sie wieder fahrbereit und bieten Workshops an, bei denen unter der Anleitung von Profis Räder selbst repariert werden können.

    Wer sind deine Role Models?
    Menschen die sich nicht mit bestehenden Strukturen zufrieden geben, sondern aktiv daran arbeiten Alternativen aufzuzeigen und diese auch zu leben und Menschen die das Wohlergehen unseres Planeten und seiner Bewohner fördern. Ganz konkret gibt es viele Nationale aber auch Internationale Vorzeigeprojekte die zeigen, dass diese Probleme keine lokalen Besonderheiten, sondern grobe Missstände im wirtschaftlichen System sind. Es gibt viele Wiener Initiativen die seit Jahren erfolgreich niederschwellige Möglichkeiten zur Selbsthilfe bieten, deren Angebot aber bei Weitem nicht den Bedarf deckt. Der Impact dieser Projekte auf die Wiener Fahrradkultur und Verkehrssicherheit ist vielen Entscheidungsträgern nicht bewusst. Es gibt bereits bestehende Initiativen die aufzeigen dass ein Fahrrad nie vollständig kaputt sind, sondern nur einzelne Teile davon.
    Wir möchten uns hiermit bei Bike Kitchen, WUK und Flickerei für ihr Jahrelanges Engagement und die Inspiration bedanken. Darüber hinaus gibt es Initiativen, die aufzeigen dass nie ein Fahrrad kaputt ist, sondern höchstens einzelne Teile davon. Sie bieten leistbare Reparaturen wenn diese nötig sind anstatt sofort ein neues Fahrrad zu verkaufen. Wir empfehlen allen, sich mit ihren Fahrradproblemen an das Wiener Radhaus und das Radlheim Fünfhaus zu wenden.

    Was bereitet dir im Moment schlaflose Nächte?
    Passt schon.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?
    Autobahn. 140kmh.

    Wie genau ist das Reparieren von Fahrrädern ein Soziales Projekt?
    Die soziale und ökologische Verantwortung übernehmen wir in unserem Projekt auf mehreren Ebenen: In unseren Selbsthilfewerkstätten stehen Selbstermächtigung und die Gemeinschaft gleichermaßen im Fokus. Personen unterschiedlicher Backgrounds erklären, zeigen vor und geben ihr Wissen weiter. Fahrradbastler die sonst alleine zuhause oder im Keller arbeiten würden oder gar nicht arbeiten dürfen, finden sozialen Anschluss, austausch mit gleichgesinnten und übernehmen Verantwortung in selbstverwalteten Räumen. Wir bieten einen Rahmen, der Menschen aus oftmals schwierigen Verhältnissen eine Struktur im Alltag gibt und ihnen die seltene Möglichkeit bietet sich Anerkennung und Wertschätzung zu erarbeiten. Wer ein Problem mit seinem Fahrrad hat und sich selbst keine mechanische Fertigkeit zutraut, ist oft überrascht wie einfach viele Reparaturen durchzuführen sind, also learning by doing kombiniert mit Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Fahrrad das nicht mehr benötigt wird oder Selbst nicht repariert werden kann und ansonsten am Schrottplatz landen würden, bekommt bei uns noch eine weitere Chance. Die Räder werden Teil einer lokalen, ökosozialen Wertschöpfungskette, sparen Ressourcen und ermöglichen sozial schwachen Personen einen einfachen und günstigen Zugang zu selbstbestimmter Mobilität. Das ist gut für die Umwelt und das gesellschaftliche Miteinander.

    Ihr lehrt Menschen ihre eigenen Fahrräder zu reparieren, ist denn überhaupt jeder fähig dazu?
    Für eine erfolgreiche Vermittlung von Wissen ist natürlich ein grundsätzliches Interesse und etwas Geduld Voraussetzung. Es geht nicht darum, jede_n zum Profi-Mechaniker zu machen, sondern darum die Berührungsängste abzubauen. Die Fertigkeiten für kleine Einstellarbeiten beim eigenen Fahrrad können wirklich jedem vermittelt werden. Durch die Arbeit am eigenen Rad lernen es die Menschen neu kennen und bauen eine neue Art von Beziehung dazu auf. Durch das selber Tun ändert sich aber hoffentlich auch die Art wie die Menschen mit anderen Herausforderungen des Alltags umgehen.