• Interview mit thebloomingproject (Finalist 2021)

    Mit nachhaltigen Blumensträußen und Blumen möchte thebloomingproject Verantwortung für die Umwelt und Gesellschaft übernehmen und für eine grüne Zukunft kämpfen.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Hinter „thebloomingproject“ steckt genau das, was der Name vermuten lässt: Ein Projekt mit Blumen! Dabei geht es nicht um irgendwelche Blumen: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, regionale, saisonale und biologisch angebaute Schnittblumen anzubieten und das nach dem Vorbild der Slowflower-Bewegung. Damit wollen wir eine Alternative zum konventionellen Schnittblumenangebot schaffen. Unsere Vision: Nachhaltigkeit gemeinsam aufblühen lassen. Teil des Geschäftsmodells sind Kooperationen, aus denen wundervolle Synergien entstehen können: Wir wollen mit Landwirt*innen, Imker*innen und Florist*innen zusammenarbeiten und zwar auf eine faire Weise, von der alle profitieren können.  

    Wir möchten mehr Transparenz ins Schnittblumengeschäft bringen und den Anbau wieder in unsere Region verlagern – denn Schnittblumen können durchaus in unseren Breiten kultiviert werden. So erhoffen wir uns außerdem, die Artenvielfalt zu fördern und wieder mehr Insekten auf die heimischen Felder zu bekommen.  

    Zur Idee des bloomingprojects kam es im Zuge einer Recherche für nachhaltige Blumensträuße, die im Unverpackt-Laden „Der Greißler“ angeboten werden sollten. Bei der Recherche merkte Hannah schnell, dass es gar nicht so leicht ist, regionale, saisonale Blumensträuße zu bekommen, bei denen auf nachhaltigen Anbau und Verarbeitung geachtet wird. Viele Flowerfarmer*innen verwenden konventionelles Saatgut, spritzen mit Pestiziden und düngern mit giftigen Stoffen. Im Bereich der Floristik ist es leider oft so, dass die Florist*innen gar nicht wissen, woher ihr Material kommt, unter welchen Bedingungen es angebaut wurde und welchen Transportweg es hinter sich hat. Und auch bei den Materialien, die rund um das Arrangieren von Sträußen und Gestecken verwendet werden, wird momentan noch wenig auf Nachhaltigkeit geachtet. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Im Moment ist gerade Hochsaison auf unseren Feldern und alles blüht. Das heißt natürlich auch, dass wir extra viel Arbeit investieren müssen. Vor allem auch, weil diese Saison erschwerte Bedingungen herrschen: die enorme Hitze und der Mangel an Regen bieten keine optimalen Voraussetzungen für das Wachstum der Blumen. So mussten wir natürlich auch öfter zu unseren Feldern fahren, um zu Gießen, was neben unserem Studium und unseren anderen Jobs gar nicht mal so einfach war. Oft konnte das Wasser den Ansprüchen unserer Blumen nicht gerecht werden, weshalb wir auch dringend nach einer Lösung für die Bewässerung suchen. 

    Die Fülle an Blumen, die uns nach den seltenen Regengüssen überrascht hat, mussten wir sofort ernten und an unsere Vertriebspartner*innen weitergeben. Derzeit ist es so, dass sich hier noch keine festen Strukturen gefestigt haben. Bei der Ernte stehen wir  immer unter Zeitdruck, denn blühen die Blumen einmal, müssen sie auch direkt verwertet werden. Organisatorisch war das in den frühen Morgenstunden zur Erntezeit oft auch eine Challenge. 

    Auch die Finanzierung unseres Unternehmens ist natürlich ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt. Die Kosten von thebloomingproject stemmen wir derzeit noch zur Gänze durch Eigenfinanzierung, was auf lange Sicht keine Lösung ist. 

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    In gewisser Weise ist die körperliche Arbeit auf dem Feld ein Ausgleich zu der organisatorischen Arbeit im Büro. 

    Ein zusätzlicher Aspekt, der bei uns als Ausgleich dient ist, unsere Erfolge als Team gemeinsam zu feiern. Dabei lassen wir die Arbeit Arbeit sein und versuchen das Hier und Jetzt zu genießen. 

    Wir alle Drei sind gerne in der Natur und können so gut abschalten, aber auch bei einem Glas Wein nach der Arbeit entspannen wir besonders gerne.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Bis heute gibt es im konventionellen Schnittblumenanbau diverse Probleme – und nur die wenigsten wissen davon. Die Probleme sind vielfältig. Die Böden werden mit chemischen Düngern, Pestiziden und Monokulturen übermäßig strapaziert, darüber hinaus wird das Grundwasser belastet und die Artenvielfalt nimmt drastisch ab. In den Hauptanbauländern der Schnittblumen (Südafrika und -amerika) kommt zudem der zunehmende Wassermangel und die Ausbeutung der Arbeiter*innen hinzu. Die Blumen müssen entweder von weit her geflogen oder geschifft werden oder weder in beheizten Treibhäusern in den Niederlanden angebaut – so oder so eine enorme Umweltbelastung. Durch regionalen Anbau der Schnittblumen im Freiland in unmittelbarer Nähe zu den Verkaufsorten sparen wir diese Emissionen. Auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichten wir komplett und die Blumen werden nur bei Bedarf auf natürliche Weise gegen Ungeziefer behandelt. So hoffen wir, die Artenvielfalt wieder zurück auf unsere heimischen Felder zu bringen, denn die Konsequenzen des Biodiversitätsverlustes spüren auch die Bauern: Bienen, Schmetterlinge und Co haben früher als natürliche Befruchtung ihrer Pflanzen gedient. Mittlerweile muss hier nachgeholfen werden, z. B. indem Bienenstöcke aktiv neben den Feldern aufgestellt werden. 

    Durch das Kultivieren von Blumen direkt neben den Feldern der Landwirte, mit denen wir kooperieren, wird die Artenvielfalt auf natürlichem Wege zurückgebracht!

    Doch nicht nur die Treibhausgase belasten die Umwelt, auch die großen Müllmengen werden zunehmend zum Problem: Sowohl beim Anbau, als auch beim Transport und bei der Blumenverarbeitung und -präsentation wird vor allem viel Einwegplastik eingesetzt, das wir unbedingt vermeiden! Entlang der gesamten Wertschöpfungskette achten wir darauf, so wenig Müll wie möglich zu produzieren und auf recycelte und recycelbare Materialien zu setzen.

    Wie sieht euer vollendetes Projekt aus?

    Unser Hauptziel und fester Bestandteil unseres vollendeten Projekts ist es, mit thebloomingproject ein rentables Geschäftsmodell aufzubauen, von dem wir alle leben können und somit unser Hobby zum Beruf machen. 

    Dazu ist es notwendig, die gesamte Wertschöpfungskette von Anbau, Verarbeitung bis hin zum Vertrieb abzudecken. Essentiell für die Umsetzung von thebloomingproject sind fixe Geschäftspartner. Diese ermöglichen uns, unsere Saisonen rentabel zu planen. Durch die feste Zusammenarbeit mit Florist*innen können wir zudem deren Wünsche berücksichtigen und unseren Pflanzplan teilweise nach ihren Wünschen gestalten – auch hier ist uns der Kooperationsgedanke besonders wichtig. 

    Ein weiterer Meilenstein, der zu einem vollendeten Projekt dazu gehört, sind feste Anbauflächen, die uns zur Verfügung stehen. Dieser Punkt ermöglicht uns, auch mehrjährige Pflanzen anzubauen und die Flächen langfristig zu planen und zu gestalten. Essentiell für unser Projekt sind zudem auch eine Bewässerungsanlage und ein Gewächshaus für die Vorzucht. 

    Durch die Bewässerungsanlage garantieren wir eine bestmögliche Versorgung unserer Pflanzen mit Flüssigkeit, was sich im Anschluss wieder positiv auf ihre Qualität auswirkt. 

    Das Gewächshaus erlaubt uns eine Menge an Jungpflanzen bereits im Frühjahr vorzuziehen. Durch unsere erste Saison haben wir gemerkt, dass die vorgezogenen Pflanzen viel robuster und stärker wachsen, als die direkt ausgesäten.

    Eins wissen wir jedoch heute schon: vollendet wird unser Projekt nie zu hundert Prozent sein, denn es kommen jeden Tag neue Aufgaben auf uns zu, die dazu führen, dass wir und unser Projekt über sich hinauswachsen.