• Interview mit Vienna Hobby Lobby (Finalist 2019)

    Geige, Fußball oder Reiten? Was nach typischen Freizeitgestaltungen für Kinder und Jugendlichen klingt ist in Wirklichkeit keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Vienna Hobby Lobby stellt interaktive Freizeitgestaltung für Schüler zur Verfügung und stellt so eine einen wichtigen Beitrag zur Freizeitgestaltung und so auch für die Gesellschaft Wiens dar.

     

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Freizeitgestaltung und Interessenfindung sind ein Privileg in unserer Gesellschaft. Im Laufe unserer Unterrichtszeit an Neuen Mittelschulen wurde uns zunehmend klarer, dass unsere Schüler*innen an der NMS selten Zugang zu Freizeitangebot haben. Das hat unter anderem finanzielle Gründe. Sie langweilen sich deshalb oft zuhause oder vor dem Smartphone.

    Das Team rund um die Vienna Hobby Lobby besteht aus Teach for Austria Alumni, die sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzen wollen. Und Bildung endet nun mal nicht in der Schule, sondern geht darüber hinaus bis zur Freizeit.

    Besonders inspiriert wurden wir von einer Schülerin, die immer noch bis zum Nachmittag in der Schule blieb, obwohl sie längst frei hatte. Wir möchten Schüler*innen wie ihr ein völlig kostenloses Freizeitangebot ermöglichen.

    Wer sind eure Role Models?

    Vorbilder gibt es für uns so viele, all jene die anpacken wollen und sich einen Job mit Sinn suchen. Alle die, die in der Gesellschaft etwas verändern wollen, sich für Gerechtigkeit einsetzen und im sozialen Sektor tätig werden.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die nachhaltige Finanzierung unserer Idee bereitet uns seit Beginn ein wenig Kopfzerbrechen.

    Es ist schwierig ein kostenloses Angebot für eine geringverdienende Zielgruppe zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Mietausgaben und Personalkosten zu stemmen.

    Wie schafft ihr euch als Team Ausgleich?

    Wenn uns die Köpfe rauchen und wir mal wieder zu viel gearbeitet haben, hilft es uns auch mal gemütlich Kaffee trinken oder Essen zu gehen und über etwas ganz Anderes zu plaudern.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf dessen Umfeld?   

    Durch unser Projekt ermöglichen wir Jugendlichen rund um den 10. Bezirk Interessen zu entwickeln, Hobbys zu verfolgen und ihre Kreativität oder Sportlichkeit aus zu leben. Wir schaffen ihnen ein zweites Zuhause, wenn ihnen die Langeweile zu viel wird oder sie sich nach Unterhaltung und Beschäftigung sehnen.

    Warum haben Jugendliche heutzutage so große Schwierigkeiten eine Freizeitbeschäftigung zu finden?

    Einerseits ist ein Freizeitkurs mittlerweile extrem teuer. Ein Semester in der Tanzschule kostet 200€, ein Schwimmkurs 150€ für 10 Einheiten, beim Fußball kommt die Vereinspauschale dazu…Da kommt schnell ein ordentlicher Betrag zusammen. Außerdem zählt die Unterstützung der Eltern maßgeblich – in manchen Familien sind die Eltern dahinter, dass die Kinder sich in der Freizeit mit ihren Interessen beschäftigen, bei unseren Kids hingegen fehlt hier oft die Unterstützung von zuhause.

    Bekommt ihr bestimmte Trends bezüglich dem Freizeitverhalten bei Kindern mit?

    Durch eine Umfrage ist uns aufgefallen, dass die Kinder gar nicht mehr genau bestimmen können, was ein Hobby überhaupt ist. Sie geben “Smartphones”, “mit Freunden chillen” und “Fortnite” als Freizeitgestaltung an und kennen kaum ein Alternativprogramm dazu. Ein Instrument lernen ist eher out, alles was modern klingt wie “Street Art” oder “Hip Hop” wird interessanter. Generell müssen sich die Jugendlichen einfach mal ausprobieren und brauchen einen einfachen und kostenlosen Zugang zu Freizeitprogramm.