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Interview mit RefugEYEs (SIA-Finalist 2018)

Für Elvan und Dilay von RefugEYEs scheint es keine Kunst zu sein, andere Menschen glücklich zu machen. Schließlich geben sie geflüchteten Kindern und Jugendlichen durch kreative Projekte die Möglichkeit aus […]

Für Elvan und Dilay von RefugEYEs scheint es keine Kunst zu sein, andere Menschen glücklich zu machen. Schließlich geben sie geflüchteten Kindern und Jugendlichen durch kreative Projekte die Möglichkeit aus dem tristen Leben des Flüchtlingsheims herauszukommen und ermutigen, dass sie etwas selbst im Leben erreichen können.

Wir sprachen mit Elvan Görgülü, einer der beiden Gründerinnen von RefugEYEs, über ihr Projekt, die Kraft der Kreativität und wie sie als Vorbild für andere dienen möchten.

 

SIA: Was war eure Motivation? Warum habt ihr euer Projekt ins Leben gerufen?

RefugEYEs: Unsere Motivation war der Glaube an uns selbst als auch daran endlich glückliche Gesichter zu sehen. Es gab ein Problem, dass gelöst werden musste und zwar Menschen die sich danach sehnten wieder geschätzt zu werden um an der Gesellschaft teilzuhaben. Wir wollten diejenigen sein die das bewirken, da sich auch sonst bis jetzt fast niemand Gedanken darüber gemacht hat. Wir haben unser Projekt ins Leben gerufen, weil wir den Alltag vieler Menschen verändern und ihnen zeigen möchten, dass es auch andere Wege gibt, wenn man entschlossen ist.

SIA: Wie habt ihr die Idee für euer Projekt bekommen? Was habt ihr in dem Moment gemacht als euch die Idee eingefallen ist? Wo wart ihr?

RefugEYEs: Wir waren gegen Semesterende im Juni (2016) beide auf der Universität im EDV-Raum und haben am Computer für unsere Projekte gezeichnet, weil wir unsere Endabgaben hatten und waren etwas gestresst. Nebenbei haben wir miteinander geplaudert, was wir so im Sommer vorhaben und kamen dann auch auf das Thema Flüchtlinge. Ich hatte mich in diesem Semester intensiv mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt (Entwerfen & Seminararbeit) und war auch im Herbst am Bahnhof aktiv bei „TrainOfHope“. Dilay erzählte, dass sie gerne im Sommer Kinder in den Notquartieren besuchen und ihnen auch etwas vorbeibringen würde. Ich erwähnte dann, dass ich schon ein Notquartier besucht hatte, daher auch schon Kontakte bei Caritas hätte und dass es sinnvoller für die Kinder wäre, wenn wir etwas mit ihnen unternehmen würden und dass wir uns da etwas einfallen lassen sollten und das gemeinsam durchführen könnten, da die Kinder ziemlich eingeschränkt sind und einen langweiligen Alltag haben. Wir machten aus, dass wir uns nach den Abgaben dann absprechen. Ein paar Tage darauf hat mich Dilay angerufen und erzählte mir von ihrer Idee mit den Analogkameras von „Lomography“. Die Idee war, mit den Kindern Foto-Ausflüge zu machen und später die Bilder auszustellen. So konnten die Kinder einen tollen Tag erleben und gleichzeitig ihre Eindrücke kunstvoll mit den Analogkameras festhalten. Letztendlich sollten die Bilder ausgestellt und interessierten Besuchern präsentiert werden. Somit entwickelte sich das Ganze von Tag zu Tag, bis wir angefangen haben uns Namen zu überlegen, das Logo gemeinsam entworfen haben, Sponsoren/Partner aufgesucht haben etc.

SIA: Warum hattet ihr das Gefühl das Projekt jetzt umsetzen zu müssen und für wen setzt ihr es um?

RefugEYEs: Im Sommer 2016 ging es mit der Flüchtlingswelle weiter. Zwar waren die ganzen Menschen schon in Unterkünften untergebracht, aber die Lebensumstände waren sehr schwer. Ich habe meine Seminararbeit über Wohnsituationen von Flüchtlingen geschrieben und habe selbst auch ein Interview geführt, als auch mit anderen Interviews von KollegInnen gearbeitet und habe dadurch einen Überblick über die Lage bekommen und an was es den Menschen fehlt. Vor Ort in den Notquartieren war es auch ersichtlich, dass die Bewohner sehr wenig Privatsphäre haben, Schwierigkeiten mit der Sprache als auch keine Beschäftigung. Sie dürfen weder arbeiten noch besitzen sie ein Hobby, egal ob Groß oder Klein. Viele junge Männer verbringen ihren ganzen Tag damit zu schlafen oder sitzen nutzlos da. Manche Frauen und Kinder ziehen sich einfach zurück und wollen an nichts teilnehmen oder auch kein Kontakt aufnehmen, da sie entweder schüchtern sind oder noch einiges von der Flucht verarbeiten müssen. Daher wollten wir das verändern und ihnen ermöglichen etwas Neues zu lernen und umzusetzen und dabei Spaß zu haben. Zusätzlich werden dadurch auch Sprachbarrieren überbrückt und neue Freundschaften geschlossen um ein Teil der Gesellschaft zu werden.

SIA: Das hört sich toll an! Warum denkt ihr, dass besonders die Förderung der Kreativität ein gutes Instrument zur Umsetzung eurer Vorhaben ist?

RefugEYEs: Wir haben bewusst Kunst und Kreativität ausgewählt, weil diese Themen in einigen Ländern aus welchen die geflüchteten Menschen kommen, mehr in den Hintergrund geschoben als auch verdrängt werden. Speziell Mädchen und Frauen haben kaum Zugang zu solchen Aktivitäten. Kunst und Kreativität sind Themen die sehr umfangreich sind und dennoch nur positiv auf den Menschen wirken. Man kann nichts falsch machen und braucht keine spezielle Anleitung wie bei anderen Aktivitäten. Das Wichtigste ist, man lernt etwas Neues, aber ist dennoch frei dabei zu entscheiden was am Ende rauskommt. Durch Kunst und Kreativität kann man sehr gut Emotionen ausdrücken, sich sowohl sehr gut entspannen als auch austoben. Es ist unserer Meinung nach das beste Instrument um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aus sich rauszukommen. Zusätzlich helfen die Ausstellungen der Kunstwerke, die verlorene Wertschätzung und das Selbstwertgefühl der Kinder und der Jugendlichen wiederherzustellen, vor allem wenn sie mit eigenen Augen sehen, dass Besucher kommen und ihre Werke bewundern.

SIA: Ist es euer Ziel mehr Menschen dazu zu bringen, Teil von RefugEYEs zu werden oder wollt ihr zeigen, dass jeder einen Beitrag leisten kann und als Vorbild dienen?

RefugEYEs: Wir wollen den Menschen zeigen, dass man auch durch kleine Interaktionen etwas zu diesem Thema beitragen kann. Einzig allein ein Besuch bei einer unserer Ausstellungen könnte schon einiges bewirken. Anstatt mit Vorurteilen für Abspaltung in der Gesellschaft zu sorgen, könnte man mehr zusammenhalten. Diese Menschen sind aus Angst geflüchtet und haben eine schlimme Reise hinter sich. Sie hatten auch ein normales Leben bevor sie flüchten mussten und es hätte uns alle betreffen können. Nun sind sie vielen Problemen und Herausforderungen ausgesetzt und es liegt in unserer Hand diese Kinder und Jugendlichen zu fördern, zu unterstützen und zu verhindern, dass sie in ein schlechtes Umfeld geraten. Wir wollen unseren Kontakt vor allem zu den Kindern und Jugendlichen immer aufrechterhalten und sie bei neuen Projekten immer wieder einbeziehen, wenn sie Lust dazu haben.

SIA: Was war bisher euer Lieblingsprojekt, welches ihr zusammen mit den Kindern umgesetzt habt?

RefugEYEs: Von einem Lieblingsprojekt kann man zurzeit nicht wirklich sprechen, da wir erst ein Projekt vollständig ausgeführt haben und zwar „refugEYEs kids“ wobei es um Analogfotografie ging. Das war unsere allererste Erfahrung und mithilfe von Familie und Freunden haben wir es ganz gut überwunden und hatten eine tolle erste Ausstellung. Unsere Projekte gehen einem bestimmten Konzept nach und bestehen aus 3 Phasen, nämlich „Develop – Create – Display“. Man könnte sagen, dass jeder Schritt für sich ein kleines Projekt darstellt. Die Entwicklung und Vorstellung der Idee, die Umsetzung und im Anschluss die Ausstellung erfordern alle einzelne Termine und Organisation. Diese müssen Schritt für Schritt einzeln geplant und umgesetzt werden. Das Ganze dauert dann schon ein paar Monate aufgrund fehlender Ressourcen und Unterstützung. Das Aufsuchen von Sponsoren und Partnern ist ein enormer Zeit- und Arbeitsaufwand, was uns daran hindert schneller voranzukommen. Wir arbeiten gerade an unserem zweiten Projekt für Teenager und möchten diese noch professioneller angehen.

SIA: Erzählt uns eine lustige Anekdote aus eurem Projektleben.

RefugEYEs: Wir hatten 2016 unsere Ausstellung „refugEYEs kids“ im Kulturzentrum im Amerlinghaus. Da es im Dezember stattgefunden hat gab es draußen wie jedes Jahr einen Punschstand. Wir hatten den Vorteil, dass viele Menschen spontan bei unserer Ausstellung vorbeigeschaut haben, wie auch zufällig Jonas Dinger, Leiter des Social Impact Award Österreich Da kannten wir ihn aber noch gar nicht. Während der Ausstellung haben wir mit den Kindern und den Besuchern ein Gruppenfoto gemacht. Erst beim Finalists Announcement 2017 im Vorjahr wo wir es leider nicht weiter geschafft haben kamen wir mit Jonas ins Gespräch und er erzählte uns, dass er unsere Ausstellung besucht hatte und wir waren etwas verwirrt, da wir es überhaupt nicht mitbekommen hatten, bis wir ihn auf unserem Foto entdeckten

SIA: Gab es auch schon eine peinliche Situation oder einen besonders tollen Moment (abgesehen von dem SIA Finalist Announcement ) von dem ihr uns berichten möchtet?

RefugEYEs: Der tollste Moment war, als wir das Strahlen in den Augen der Kinder gesehen haben, als sie im Prater waren und Riesenspaß hatten, sowohl beim Fotografieren als auch bei den Fahrgeschäften. Eines der Kinder bezeichnete den Tag als den besten ihres ganzen Lebens, das war sehr berührend. Bei der Ausstellung waren auch einige Kinder dabei. Sie haben fleißig mitgeholfen und sogar versucht den Besuchern ihre Fotos vorzustellen und zu verkaufen, das war echt süß

 

Mehr Informationen rund um RefugEYEs findet ihr auf ihrer Homepage, sowie auf ihrer Facebookseite.

Die Interviews mit allen 10 Finalisten werden auf der Website des Social Impact Awards, der Facebookseite des Social Impact Awards, sowie auf dem Blog “This Sustainable Life” von Elisa Gramlich veröffentlicht. Die Interviews dienen dem Community-Voting, für welches man auf der Website des Social Impact Awards bis 25. September 2018 abstimmen kann.