• Stories of SIA – Stories of Impact

    10 Jahre SIA, 100 Gesichter. Wir konnten viele Menschen erreichen in den letzten Jahren, durften Teil vieler Geschichten werden, viele selbst mitgestalten. Manchmal konnten wir erste Impulse setzen, manchmal das zuvor gesäte Gut zum Keimen bringen. Manchmal hatten wir gar keinen Einfluss auf die Idee, die sich innerhalb des Social Impact Awards entwickelt hatte: Und doch sind wir stolz, so viele innovative, soziale Projekte auf ihrer Reise begleitet zu haben, immer noch zu begleiten.

    SIA hat in der Zeit seit seiner Gründung ein umfangreiches Netzwerk voller kreativer Köpfe mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn gebildet. Ein Netzwerk, das zusammenhält, stark macht, unterstützt und befähigt, das Beste aus einem herauszukitzeln — Um das Beste in der Welt zu ermöglichen. Ein Stückchen zu einem lebenswerteren und nachhaltigeren Planeten beizutragen, das ist die Vision, der wir uns widmen, und die Mission, der sich unsere Teams angenommen haben.

    Den Monat Februar möchten wir all denjenigen widmen, die mit ihren sozialen Start-Ups Geschichten schreiben. Die den Mut hatten, ihre Utopien in innovativen Projekten zur Realität werden zu lassen. Die sich nicht unterkriegen ließen, als es schwierig wurde und ihre Ziele nach wie vor motiviert verfolgen. Es sind ihre Geschichten, die unsere sind: Der Impact von SIA beginnt bei unseren Teilnehmern, unseren Finalisten und Gewinnern der letzten 10 Jahre in 18 Ländern.

    Über unsere Profile auf Facebook, Instagram und Twitter könnt ihr im Februar einige dieser „Stories of Impact“ lesen und bekommt damit einen Einblick in die tollen Projekte, die innerhalb des Social Impact Award international entstanden sind. Wir zählen weiterhin Geschichten, 2019 steht gerade erst vor der Tür, und wer weiß — vielleicht seid ihr ja die nächsten Social Entrepreneure? Lasst euch inspirieren und findet es heraus!

  • Humans of SIA – Das sind wir. 10 Jahre gibt es SIA nun schon.

    10 Jahre, die nicht möglich wären, ohne ein ausgeklügeltes Team, tatkräftige Unterstützer, motivierte Helferlein und die beste Crew der Welt. Die versteckt sich allerdings meist hinter den Kulissen, und zeigt der Außenwelt gar nicht so viel von sich — Schwierig: Wie soll man Transparenz vermitteln, ohne reinzusehen in SIA’s Kern? Jetzt aber Schluss damit: Wir wollen uns natürlich euch nicht vorenthalten und möchten, dass ihr die Chance bekommt, jeden Einzelnen von uns kennenzulernen. Ein guter Vorsatz ist das: Aufmachen das Guckloch und rauslachen; der Sonne entgegen — und euch.

    10 Jahre SIA, 100 Gesichter. Hunderte. Tausende. Den ersten Monat des Jahres möchten wir nutzen, um ein paar dieser Gesichter sichtbar zu machen. Und euch zu zeigen: Das sind wir. Wir sind echt. Wir sind keine Siri, keine Alexa, kein automatischer Antwortservice oder Mausklick, der per Fingerschnipsen automatisch Befehle ausführt. Nein: Wir sind genauso real wie du, ansprechbar und öffentlich. Das sind wir also: Die Humans of SIA.

    Wir freuen uns, dich kennenzulernen.

  • Interview mit Lingvano (SIA-Finalist 2018)

    Laut Google zählen zu den exotischen Sprachen Azeri, Bambara, Dari, Esan, Fante, Kabardinisch, Tigrinya und Zaza. Uns fällt noch eine ein – die österreichische Gebärdensprache! Weitaus bekannter als die zuvor genannten Beispiele beherrscht sie aber trotzdem nur ein Bruchteil der Bevölkerung, was ein Problem für viele gehörlose Menschen darstellt und zu ihrer gesellschaftlichen Isolation führt. Durch Lingvano wird das kostengünstige und flexible Erlernen der Gebärdensprache für alle möglich, was das Leben der Gehörlosen verbessern und vereinfachen soll.

    Wir haben mit Nicolas Molcik, Mitgründer von Lingvano, über sein Startup, die faszinierende Welt der Gebärden und Situationen gesprochen, mit denen viele gehörlose Menschen und ihre Angehörigen konfrontiert werden.

     

    SIA: Was war eure Motivation? Warum habt ihr euer Projekt ins Leben gerufen?

    Lingvano: Wir drei von Lingvano haben individuelle Erfahrungen mit Kommunikationsbarrieren zwischen Gehörlosen und Hörenden gemacht: Atilla, als von Geburt an Gehörloser, beinahe täglich. Matthias und ich insbesondere in unserer Zeit als Zivildiener. Mit unserem Social Business Lingvano haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Welt der Hörenden und Gehörlosen besser zu verbinden und Barrieren abzubauen. Dafür ist es notwendig, allen Interessierten eine einfache Möglichkeit zu bieten, die österreichische Gebärdensprache zu lernen. Dies ermöglichen wir mit einer spannenden und kostengünstigen Gebärdensprach E-Learning-Plattform.

    SIA: Warum hattet ihr das Gefühl das Projekt jetzt umsetzen zu müssen und für wen setzt ihr es um?

    Lingvano: Im Zuge vieler Gespräche mit Gebärdensprachlehrern und an der Gebärdensprache Interessierten hat sich die Nachfrage an einer E-Learning-Plattform überwältigend bestätigt. Wir haben von den verschiedensten Geschichten gehört, weswegen Menschen die Gebärdensprache erlernen wollen.

    Naheliegend ist, dass insbesondere Personen mit gehörlosen oder schwer gehörbeeinträchtigten Familienmitgliedern am Erlernen der Gebärdensprache interessiert sind. Leider ist es aber so, dass oftmals selbst engste Familienmitglieder die Gebärdensprache nicht sprechen bzw. lernen. Die häufigsten Gründe hierfür stellen fehlendes Geld oder zeitliche Inflexibilität dar. Die Auswirkungen für das gehörlose Familienmitglied sind Kommunikationsbarrieren in der eigenen Familie und soziale Ausgrenzung.

    Ebenso haben wir von Menschen gehört, die in ihrer Jugend sukzessive an Hörvermögen verloren haben und somit in kurzer Zeit die Gebärdensprache lernen mussten. Der früher große Freundeskreis wurde durch die Kommunikationsbarrieren auf nur jene wenige Freunde reduziert, welche ebenso die Gebärdensprache erlernten. Das Interesse die österreichische Gebärdensprache zu lernen war zwar bei allen Freunden vorhanden, aber die zwei größten Barrieren, Zeit und Geld, stellten auch für sie Hürden da.

    Diese zwei kurzen Beispiele sind selbstverständlich nur ein Bruchteil der Gründe, weswegen Menschen die Gebärdensprache lernen wollen. Oftmals ist das Interesse auch gar nicht mit einem Schicksal oder Ähnlichem verbunden, sondern einfach die Faszination an dieser einzigartigen Sprache selbst. Und jeder einzelne dieser vielen verschiedenen Gründe motiviert uns umso mehr, das Projekt Lingvano voranzutreiben und es hörenden Menschen so einfach wie möglich zu machen, in die spannende Welt der Gebärden einzutauchen.

    Genauso soll Lingvano aber auch die gehörlosen Menschen unterstützen, denn es soll ihnen ermöglichen, mit anderen einfacher in Kontakt treten und auch kommunizieren zu können. Es soll sie mehr in die Gesellschaft einbinden.

    SIA: Als Beispiel nennst du ja auch, dass es nicht selten ist, dass Menschen im Laufe ihres Lebens ihr Gehör verlieren und aus diesem Grund die Gebärdensprache erlernen müssen. Bietet den Betroffenen der Arzt an, die Sprache zu erlernen oder an wen wenden sie sich in diesem Fall? Wie sieht es mit den Angehörigen und Freunden aus?

    Lingvano: Es gibt diverse Schulen und Einrichtungen, die die Gebärdensprache unterrichten oder auch Lehrer ausbilden (zum Beispiel Equalizent). Es gibt Vereine und die Volkshochschule, die Kurse anbieten. Angehörige und Freunde haben oft weniger Zeit und Motivation, die Sprache zu erlernen. In diesem Fall ist ein Onlinekurs als Ergänzung oder als Einstieg eine gute Möglichkeit, um zumindest einfache Unterhaltungen führen zu können. Auf unserer Plattform lernt man nicht nur die Gebärdensprache, sondern auch den Umgang mit gehörlosen Menschen und erfährt, welche Fragen Hörende an die Gehörlosenwelt haben. Beispiele sind etwa: „Wie träumen Gehörlose? Haben sie eine innere Stimme oder ist es eine Person in der dritten Person die gebärdet?“ „Dürfen Gehörlose Auto fahren?“ „Wie funktioniert die Klingel der Gehörlosen?“ etc.

    SIA: Spannende Fragen! Das heißt, wenn ich einen Kurs bei euch mache, kann ich mich mit einer gehörlosen Person auf der Straße unterhalten?

    Lingvano: Ja, also die Alltagsgebärden lernt man definitiv. Angeregte Diskussionen kann man dann natürlich noch nicht führen. Wir bauen unser Angebot aber weiter aus, die Grundkommunikation kann man derzeit schon erlernen.

    SIA: Wie habt ihr die Idee für euer Projekt bekommen? Was habt ihr in dem Moment gemacht als euch die Idee eingefallen ist? Wo wart ihr? Wie hat sich euer Team zusammengefunden?

    Lingvano: Die Idee selbst ist an zwei voneinander unabhängigen Orten entstanden. Matthias und ich haben uns nebenberuflich im Studium kennengelernt und das gemeinsame Interesse an der österreichischen Gebärdensprache entdeckt. Nach vergeblicher Suche hinsichtlich ausführlicher Online-Lernmöglichkeiten haben wir uns dazu entschlossen, unsere Fähigkeiten und Ressourcen zu bündeln und eine Gebärdensprach E-Learning-Plattform ins Leben zu rufen. Zur Umsetzung dieses Vorhabens fehlte allerdings noch ein letztes Puzzleteil: Atilla. Er unterrichtet seit langem die österreichische Gebärdensprache. Viele Male haben seine Schüler das Interesse geäußert, auch jenseits des Unterrichts Gebärden lernen und festigen zu können. Herkömmliche Lehrbücher sowie uneinheitliche Online-Lernmaterialien waren dafür nicht ausreichend. Deshalb hat Atilla begonnen, an der Idee einer E-Learning-Plattform zu arbeiten. Per Social Media suchte er dafür nach Interessierten und hat damit ebenso die Aufmerksamkeit von Matthias und mir auf sich gezogen. Nach einem kurzen Schriftverkehr fand schließlich das erste gemeinsame Meeting statt und die zwei kleinen, voneinander unabhängigen Wege verschmolzen zu einem Großen. Die für unser gemeinsames Vorhaben notwendigen Fähigkeiten waren somit gebündelt und das Puzzle komplett.

    SIA: Du sagst, dass du zur Zeit deines Zivildienstes erstmals mit gehörlosen Menschen in Kontakt gekommen bist. Woran könnte es liegen, dass die Gebärdensprache in den meisten Schulen nicht einmal als unverbindliche Übung (so wie andere Sprachen) angeboten wird und dementsprechend wenige Menschen auf den Nutzen der Sprache aufmerksam werden?

    Lingvano: Ich denke, dass es einfach daran liegt, dass die Gebärdensprache noch nicht so etabliert ist. Oft wird es nicht als Alternative gesehen, da es umfassende Lernangebote für die Gebärdensprache erst seit Kurzem gibt. Die österreichische Gebärdensprache ist beispielsweise erst 2005 im Bundesverfassungsgesetz anerkannt worden.

    SIA: Es gibt weltweit unterschiedliche Gebärdensprachen. Unterscheiden sich diese stark? Wenn ich die österreichische Gebärdensprache kann, kann ich mich mit Menschen unterhalten, die die deutsche oder die japanische Gebärdensprache beherrschen?

    Lingvano: Das ist eine schwierige Frage, weil ich in diesem Bereich selbst noch nicht den hundertprozentigen Durchblick habe. Es ist schon so, dass es selbstständige Sprachen sind. Da etliche Aspekte oftmals sehr ähnlich sind (z.B. Mundbild, elementare Gebärden, etc.) können sich Deutsche und Österreicher bis zu einem gewissen Grad verstehen. Ob es beispielsweise mit der japanischen und österreichischen Gebärdensprache ähnlich ist, weiß ich nicht. Lustigerweise gibt es aber auch in der österreichischen Gebärdensprache unterschiedliche Dialekte. Im Endeffekt ist es eine ganz normale Sprachentwicklung, wobei viele irrtümlicherweise denken, dass es nur eine internationale Gebärdensprache gibt.

    SIA: Was ist eure größte Schwierigkeit bei der Entwicklung eures Projektes? Welche persönlichen Eigenschaften helfen euch dabei?

    Lingvano: Wie es nun mal so ist, sind bis zur Umsetzung einer Unternehmung kleine, manchmal auch größere Steine aus dem Weg zu räumen. Lingvano ist hierbei keine Ausnahme. Dank unserer Zielstrebigkeit und gutem Teamwork konnten wir allerdings gemeinsam den Weg räumen und unser Projekt realisieren. Eine kleine sowie spannende Herausforderung stellt die Kommunikation selbst dar. Matthias und ich können nur einfache Gebärden. Auch wenn der Wortschatz bei jedem Meeting wächst, verwenden wir oftmals unsere Smartphones oder Laptops um kurze Texte untereinander zu schreiben. Dieser Mix aus ein paar Gebärden und kurzen Textnachrichten funktioniert erstaunlicher Weise ziemlich gut. Die Praxis zeigt uns somit, dass entgegen vieler Meinungen die Zusammenarbeit zwischen Gehörlosen und Hörenden sehr wohl funktionieren kann! Man muss nur etwas kreativ sein und einen für sich passenden Weg finden.

    SIA: Erzählt uns eine lustige Anekdote aus eurem Projektleben.

    Lingvano: Da Matthias und ich noch Anfänger im Sprechen der österreichischen Gebärdensprache sind, ergeben sich hin und wieder kleine „Versprecher. Dadurch ergibt manches keinen Sinn oder kann sogar etwas ganz anderes bedeuten. Lustige Situationen sind da natürlich vorprogrammiert Ein kleines und recht aktuelles Beispiel wäre in etwa: „Ich fahre mit der U-Bahn“ wurde zu „Ich bin auf der Flucht“.

    SIA: Gab es auch schon eine peinliche Situation oder einen besonders tollen Moment (abgesehen von dem SIA Finalist Announcement ) von dem ihr uns berichten möchtet?

    Lingvano: Einen peinlichen Moment gab es eigentlich noch nicht. Tolle Momente hatten wir allerdings schon zahlreiche – zum Glück! Einer dieser vielen tollen Momente war jener, an dem wir drei unser erstes gemeinsames Meeting hatten und realisierten, dass wir endlich alle notwendigen Puzzlestücke für Lingvano gefunden haben. Dies war nach einigen Rückschlägen im Projekt ein besonders tolles Gefühl und hat uns Dreien bestätigt, dass Aufgeben nie eine Option ist.

     

    Mehr Informationen rund um Lingvano findet ihr auf ihrer Homepage, sowie auf ihrer Facebookseite.

     

    Die Interviews mit allen 10 Finalisten werden auf der Website des Social Impact Awards, der Facebookseite des Social Impact Awards, sowie auf dem Blog “This Sustainable Life” von Elisa Gramlich veröffentlicht. Die Interviews dienen dem Community-Voting, für welches man auf der Website des Social Impact Awards bis 25. September 2018 abstimmen kann.

  • Interview mit RefugEYEs (SIA-Finalist 2018)

    Für Elvan und Dilay von RefugEYEs scheint es keine Kunst zu sein, andere Menschen glücklich zu machen. Schließlich geben sie geflüchteten Kindern und Jugendlichen durch kreative Projekte die Möglichkeit aus dem tristen Leben des Flüchtlingsheims herauszukommen und ermutigen, dass sie etwas selbst im Leben erreichen können.

    Wir sprachen mit Elvan Görgülü, einer der beiden Gründerinnen von RefugEYEs, über ihr Projekt, die Kraft der Kreativität und wie sie als Vorbild für andere dienen möchten.

     

    SIA: Was war eure Motivation? Warum habt ihr euer Projekt ins Leben gerufen?

    RefugEYEs: Unsere Motivation war der Glaube an uns selbst als auch daran endlich glückliche Gesichter zu sehen. Es gab ein Problem, dass gelöst werden musste und zwar Menschen die sich danach sehnten wieder geschätzt zu werden um an der Gesellschaft teilzuhaben. Wir wollten diejenigen sein die das bewirken, da sich auch sonst bis jetzt fast niemand Gedanken darüber gemacht hat. Wir haben unser Projekt ins Leben gerufen, weil wir den Alltag vieler Menschen verändern und ihnen zeigen möchten, dass es auch andere Wege gibt, wenn man entschlossen ist.

    SIA: Wie habt ihr die Idee für euer Projekt bekommen? Was habt ihr in dem Moment gemacht als euch die Idee eingefallen ist? Wo wart ihr?

    RefugEYEs: Wir waren gegen Semesterende im Juni (2016) beide auf der Universität im EDV-Raum und haben am Computer für unsere Projekte gezeichnet, weil wir unsere Endabgaben hatten und waren etwas gestresst. Nebenbei haben wir miteinander geplaudert, was wir so im Sommer vorhaben und kamen dann auch auf das Thema Flüchtlinge. Ich hatte mich in diesem Semester intensiv mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt (Entwerfen & Seminararbeit) und war auch im Herbst am Bahnhof aktiv bei „TrainOfHope“. Dilay erzählte, dass sie gerne im Sommer Kinder in den Notquartieren besuchen und ihnen auch etwas vorbeibringen würde. Ich erwähnte dann, dass ich schon ein Notquartier besucht hatte, daher auch schon Kontakte bei Caritas hätte und dass es sinnvoller für die Kinder wäre, wenn wir etwas mit ihnen unternehmen würden und dass wir uns da etwas einfallen lassen sollten und das gemeinsam durchführen könnten, da die Kinder ziemlich eingeschränkt sind und einen langweiligen Alltag haben. Wir machten aus, dass wir uns nach den Abgaben dann absprechen. Ein paar Tage darauf hat mich Dilay angerufen und erzählte mir von ihrer Idee mit den Analogkameras von „Lomography“. Die Idee war, mit den Kindern Foto-Ausflüge zu machen und später die Bilder auszustellen. So konnten die Kinder einen tollen Tag erleben und gleichzeitig ihre Eindrücke kunstvoll mit den Analogkameras festhalten. Letztendlich sollten die Bilder ausgestellt und interessierten Besuchern präsentiert werden. Somit entwickelte sich das Ganze von Tag zu Tag, bis wir angefangen haben uns Namen zu überlegen, das Logo gemeinsam entworfen haben, Sponsoren/Partner aufgesucht haben etc.

    SIA: Warum hattet ihr das Gefühl das Projekt jetzt umsetzen zu müssen und für wen setzt ihr es um?

    RefugEYEs: Im Sommer 2016 ging es mit der Flüchtlingswelle weiter. Zwar waren die ganzen Menschen schon in Unterkünften untergebracht, aber die Lebensumstände waren sehr schwer. Ich habe meine Seminararbeit über Wohnsituationen von Flüchtlingen geschrieben und habe selbst auch ein Interview geführt, als auch mit anderen Interviews von KollegInnen gearbeitet und habe dadurch einen Überblick über die Lage bekommen und an was es den Menschen fehlt. Vor Ort in den Notquartieren war es auch ersichtlich, dass die Bewohner sehr wenig Privatsphäre haben, Schwierigkeiten mit der Sprache als auch keine Beschäftigung. Sie dürfen weder arbeiten noch besitzen sie ein Hobby, egal ob Groß oder Klein. Viele junge Männer verbringen ihren ganzen Tag damit zu schlafen oder sitzen nutzlos da. Manche Frauen und Kinder ziehen sich einfach zurück und wollen an nichts teilnehmen oder auch kein Kontakt aufnehmen, da sie entweder schüchtern sind oder noch einiges von der Flucht verarbeiten müssen. Daher wollten wir das verändern und ihnen ermöglichen etwas Neues zu lernen und umzusetzen und dabei Spaß zu haben. Zusätzlich werden dadurch auch Sprachbarrieren überbrückt und neue Freundschaften geschlossen um ein Teil der Gesellschaft zu werden.

    SIA: Das hört sich toll an! Warum denkt ihr, dass besonders die Förderung der Kreativität ein gutes Instrument zur Umsetzung eurer Vorhaben ist?

    RefugEYEs: Wir haben bewusst Kunst und Kreativität ausgewählt, weil diese Themen in einigen Ländern aus welchen die geflüchteten Menschen kommen, mehr in den Hintergrund geschoben als auch verdrängt werden. Speziell Mädchen und Frauen haben kaum Zugang zu solchen Aktivitäten. Kunst und Kreativität sind Themen die sehr umfangreich sind und dennoch nur positiv auf den Menschen wirken. Man kann nichts falsch machen und braucht keine spezielle Anleitung wie bei anderen Aktivitäten. Das Wichtigste ist, man lernt etwas Neues, aber ist dennoch frei dabei zu entscheiden was am Ende rauskommt. Durch Kunst und Kreativität kann man sehr gut Emotionen ausdrücken, sich sowohl sehr gut entspannen als auch austoben. Es ist unserer Meinung nach das beste Instrument um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aus sich rauszukommen. Zusätzlich helfen die Ausstellungen der Kunstwerke, die verlorene Wertschätzung und das Selbstwertgefühl der Kinder und der Jugendlichen wiederherzustellen, vor allem wenn sie mit eigenen Augen sehen, dass Besucher kommen und ihre Werke bewundern.

    SIA: Ist es euer Ziel mehr Menschen dazu zu bringen, Teil von RefugEYEs zu werden oder wollt ihr zeigen, dass jeder einen Beitrag leisten kann und als Vorbild dienen?

    RefugEYEs: Wir wollen den Menschen zeigen, dass man auch durch kleine Interaktionen etwas zu diesem Thema beitragen kann. Einzig allein ein Besuch bei einer unserer Ausstellungen könnte schon einiges bewirken. Anstatt mit Vorurteilen für Abspaltung in der Gesellschaft zu sorgen, könnte man mehr zusammenhalten. Diese Menschen sind aus Angst geflüchtet und haben eine schlimme Reise hinter sich. Sie hatten auch ein normales Leben bevor sie flüchten mussten und es hätte uns alle betreffen können. Nun sind sie vielen Problemen und Herausforderungen ausgesetzt und es liegt in unserer Hand diese Kinder und Jugendlichen zu fördern, zu unterstützen und zu verhindern, dass sie in ein schlechtes Umfeld geraten. Wir wollen unseren Kontakt vor allem zu den Kindern und Jugendlichen immer aufrechterhalten und sie bei neuen Projekten immer wieder einbeziehen, wenn sie Lust dazu haben.

    SIA: Was war bisher euer Lieblingsprojekt, welches ihr zusammen mit den Kindern umgesetzt habt?

    RefugEYEs: Von einem Lieblingsprojekt kann man zurzeit nicht wirklich sprechen, da wir erst ein Projekt vollständig ausgeführt haben und zwar „refugEYEs kids“ wobei es um Analogfotografie ging. Das war unsere allererste Erfahrung und mithilfe von Familie und Freunden haben wir es ganz gut überwunden und hatten eine tolle erste Ausstellung. Unsere Projekte gehen einem bestimmten Konzept nach und bestehen aus 3 Phasen, nämlich „Develop – Create – Display“. Man könnte sagen, dass jeder Schritt für sich ein kleines Projekt darstellt. Die Entwicklung und Vorstellung der Idee, die Umsetzung und im Anschluss die Ausstellung erfordern alle einzelne Termine und Organisation. Diese müssen Schritt für Schritt einzeln geplant und umgesetzt werden. Das Ganze dauert dann schon ein paar Monate aufgrund fehlender Ressourcen und Unterstützung. Das Aufsuchen von Sponsoren und Partnern ist ein enormer Zeit- und Arbeitsaufwand, was uns daran hindert schneller voranzukommen. Wir arbeiten gerade an unserem zweiten Projekt für Teenager und möchten diese noch professioneller angehen.

    SIA: Erzählt uns eine lustige Anekdote aus eurem Projektleben.

    RefugEYEs: Wir hatten 2016 unsere Ausstellung „refugEYEs kids“ im Kulturzentrum im Amerlinghaus. Da es im Dezember stattgefunden hat gab es draußen wie jedes Jahr einen Punschstand. Wir hatten den Vorteil, dass viele Menschen spontan bei unserer Ausstellung vorbeigeschaut haben, wie auch zufällig Jonas Dinger, Leiter des Social Impact Award Österreich Da kannten wir ihn aber noch gar nicht. Während der Ausstellung haben wir mit den Kindern und den Besuchern ein Gruppenfoto gemacht. Erst beim Finalists Announcement 2017 im Vorjahr wo wir es leider nicht weiter geschafft haben kamen wir mit Jonas ins Gespräch und er erzählte uns, dass er unsere Ausstellung besucht hatte und wir waren etwas verwirrt, da wir es überhaupt nicht mitbekommen hatten, bis wir ihn auf unserem Foto entdeckten

    SIA: Gab es auch schon eine peinliche Situation oder einen besonders tollen Moment (abgesehen von dem SIA Finalist Announcement ) von dem ihr uns berichten möchtet?

    RefugEYEs: Der tollste Moment war, als wir das Strahlen in den Augen der Kinder gesehen haben, als sie im Prater waren und Riesenspaß hatten, sowohl beim Fotografieren als auch bei den Fahrgeschäften. Eines der Kinder bezeichnete den Tag als den besten ihres ganzen Lebens, das war sehr berührend. Bei der Ausstellung waren auch einige Kinder dabei. Sie haben fleißig mitgeholfen und sogar versucht den Besuchern ihre Fotos vorzustellen und zu verkaufen, das war echt süß

     

    Mehr Informationen rund um RefugEYEs findet ihr auf ihrer Homepage, sowie auf ihrer Facebookseite.

    Die Interviews mit allen 10 Finalisten werden auf der Website des Social Impact Awards, der Facebookseite des Social Impact Awards, sowie auf dem Blog “This Sustainable Life” von Elisa Gramlich veröffentlicht. Die Interviews dienen dem Community-Voting, für welches man auf der Website des Social Impact Awards bis 25. September 2018 abstimmen kann.

  • Interview mit reisebunt.com (SIA-Finalist 2018)

    Jeder reist gerne, doch leider lässt sich ein nachhaltiger Lebensstil nicht mit umweltschädlichen Flügen vereinbaren. Dem Team von reisebunt.com kam da eine kompensierende Idee! Reisebunt agiert als Publisher für Reiseveranstalter und bekommt pro getätigter Buchung eine Kommission wodurch Bäume gepflanzt werden. Gut für die Umwelt und das schlechte Gewissen!

    Wir sprachen mit dem Gründer von Reisebunt, Philipp Lederle, über das Thema Reisen, CO2-Kompensation und die Herausforderungen beim Gründen.

     

    Elisa von This Sustainable Life: Wie würdest du Reisebunt in einem Satz beschreiben?

    Philipp von Reisebunt: Wir reduzieren den CO2-Ausstoß deiner Reisen, die du (bei uns) buchst, durch das (kostenlose) Pflanzen von Bäumen und auf längere Sicht werden wir zu 100% kompensieren.

    Elisa: Wie genau wollt ihr eine hundertprozentige Kompensation erreichen?

    Philipp: Wir arbeiten mit der BOKU zusammen, die uns Daten zur Verfügung stellt wieviel CO2 z.B. durch einen Flug emittiert wird. Das ist gar nicht so leicht, da der CO2-Ausstoß u.a. vom Flugzeugtyp, der Strecke, dem Flughafen usw. abhängt. Gemeinsam mit einem Partner pflanzen wir dann schlussendlich die Bäume in Äthiopien.

    Elisa: Und welche Reisen werden kompensiert bzw. stellt ihr diese Reisen selbst zusammen?

    Philipp: Die Reisen die auf reisebunt.com online sind suchen wir mit unserer Expertise aus den Tiefen des Netzes, um so die Creme de la Creme der besten Reiseangebote anbieten zu können. Für alle Reisen die auf Reisebunt gebucht werden bekommen wir anschließend Provisionen von den jeweiligen Reiseveranstaltern. Der Großteil dieser Einnahmen wird dann für den ökologischen Zweck, also das Bäume pflanzen, eingesetzt.

    Elisa: Zahlt der Konsument für die CO2-Kompensation bzw. sind die Reisen bei euch dann teurer als z.B. auf der Hofer Webseite?

    Philipp: Nein, es entstehen keine Extrakosten für den Konsumenten, das macht Reisebunt auch so einzigartig. Damit wollen wir genau das Problem beheben, dass man zwar bei der Buchung von Flugreisen oft die CO2-Kompensation auswählen kann, aber aufgrund der Mehrkosten es nur sehr wenige Leute tun. Unsere Herangehensweise kommt am Markt sehr gut an. Seit der Gründung freuen wir uns über einen signifikanten Anstieg der Buchungszahlen.

    Elisa: Das klingt wirklich gut! Wie genau seid ihr auf die Idee gekommen?

    Philipp: Da ich ein Vielreisender bin, ist mir die Idee letztes Jahr in Südafrika gekommen. Ich hatte mir leider den Fuß gebrochen und war im Flugzeug zurück nach Österreich. Da ich aufgrund der Schmerzen nicht schlafen konnte, hatte ich viel Zeit während des zwölfstündigen Fluges nachzudenken. Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich, obwohl ich versuche nachhaltig zu leben, trotzdem in diesem Jahr bereits 15 Mal geflogen war. Zuhause wieder angekommen wurde an den unterschiedlichsten Ideen gearbeitet und schlussendlich reisebunt.com geboren.

    Elisa: Wie viele CO2-Emissionen verursacht denn eine Reise oder ein Flug?

    Philipp: Weltweit ist laut einer Studie der Tourismus für acht Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Ein Flug von Wien nach Berlin (hin & retour) hat einen CO2-Ausstoß von durchschnittlich 260 kg CO2 Ausstoß. Um dieses CO2 zu kompensieren muss ein Baum gepflanzt werden. Ein Langstreckenflug von beispielsweise Wien nach Bangkok verursacht sogar durchschnittlich 4.547 kg CO2-Emissionen. Hierfür bräuchten wir also 9,5 Bäume und runden auf 10 Bäume auf, um den CO2-Ausstoß zu kompensieren.

    Elisa: Wie hat sich euer Team zusammengefunden?

    Philipp: Wir haben zu zweit gestartet und werden ab Oktober das Team auf vier Personen erweitern um vor allem die technische Umsetzung voranzutreiben. Zusammengefunden haben wir uns eigentlich über Events wie z.B. beim Impact Hub Winedown oder bei Veranstaltungen von der Jungen Wirtschaft Wien. Auch über gemeinsame Freunde und durch das zufällige Reden mit Leuten auf den Veranstaltungen haben sich Synergien ergeben. Ich glaube auch an das Gesetz der Anziehung, denn es war erstaunlich leicht ein so tolles Team zu finden.

    Elisa: Warum hattet ihr das Gefühl das Projekt jetzt umsetzen zu müssen und für wen setzt ihr es um?

    Philipp: Wir wollen mehr Menschen anregen über ihren persönlichen CO2-Ausstoß nachzudenken und dann ohne Mehraufwand ihren Urlaub zu kompensieren.

    Elisa: Ist CO2-Kompensation nicht nur ein einfacher Weg das schlechte Gewissen zu bereinigen oder kann es wirklich etwas bewegen?

    Philipp: Ich bin überzeugt davon, dass es etwas bewegen kann, aber nur wenn man es sich bewusst macht und versucht in allen Lebensbereichen anzuwenden. Zum Beispiel indem man energiesparend lebt, Müll vermeidet und nachhaltig einkauft. Das finde ich auch beim Reisen so schön, denn wenn man Reisen anbietet weckt man auch Emotionen und mit Emotionen kann man die Leute für eine Sache gewinnen. Deswegen kann Reisebunt gut die Menschen überzeugen, dass es noch weitere nachhaltigere Alternativen gibt, die man im Leben ausprobieren kann. Die CO2-Kompensation ist dabei ein guter Weg um nicht auf das Reisen verzichten zu müssen, denn das wäre sehr schade. Reisen ist gerade in unserer heutigen Gesellschaft sehr wichtig, da man dadurch neue Kulturen kennenlernt, weltoffener wird und ganz anders denkt wenn man die große Welt sieht. Wir wollen eine Lösung anbieten, damit die Leute trotzdem die Welt sehen können.

    Elisa: Was ist eure größte Schwierigkeit bei der Entwicklung eures Projektes? Welche persönlichen Eigenschaften helfen euch dabei?

    Philipp: Ich sage lieber Challenge statt Schwierigkeit. Meine größte Herausforderung war den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und herauszufinden wie man startet, was man wann macht usw. Eine Herausforderung dabei war gute Geschäftspartner zu finden (sowohl national als auch international), da es recht schwierig ist wenn man noch klein und unbekannt ist. Es hat aber geholfen, dass ich bereits sechs Jahre im Tourismusbereich gearbeitet habe (u.a. bei der Niederösterreich Werbung und Travelbird) wo ich ein gutes Netzwerk aufbauen konnte.

    Elisa: Seht ihr euch auch in der Verantwortung den Tourismussektor nachhaltiger zu machen?

    Philipp: In der Zukunft wollen wir direkt mit den Hotels kommunizieren und mehr Bewusstsein schaffen. Es gibt hier schon viele gute Beispiele wie das Magdas oder das Boutiquehotel Stadthalle. Wir haben zwar schon mit ein paar Reiseanbietern diesbezüglich gesprochen, werden aber in dieser Phase noch nicht aktiv mit Hotels sprechen, sondern erstmal die Idee stärken und die Plattform zum Wachsen bringen. Ab Herbst 2019 möchten wir jedoch mehr Bewusstsein bei den Hotels schaffen, indem wir auf unserer Plattform auch einfache Maßnahmen aufzeigen, die Hotels umsetzen können um nachhaltiger zu werden. Das Boutiquehotel Stadthalle hat z.B. das Dach begrünt und die Wände mit Efeu bewachsen lassen, wodurch eine natürliche Kühlung im Sommer möglich ist. Dadurch braucht das Hotel keine Klimaanlage und weniger Strom, was wiederum weniger kostet und gut für die Umwelt ist. Ein weiterer Grund warum wir erstmal unsere Plattform aufbauen wollen ist, dass wir dann den Hoteleigentümern zeigen können wie viele Menschen sich für nachhaltiges Leben interessieren und sie durch diesen Anreiz dazu bringen Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen.

     

    Mehr Informationen rund um reisebunt.com findet ihr auf ihrer Homepage, Facebookseite, sowie auf Instagram.

    Die Interviews mit allen 10 Finalisten werden auf der Website des Social Impact Awards, der Facebookseite des Social Impact Awards, sowie auf dem Blog “This Sustainable Life” von Elisa Gramlich veröffentlicht. Die Interviews dienen dem Community-Voting, für welches man auf der Website des Social Impact Awards bis 25. September 2018 abstimmen kann.