• Die besten Social Start-Ups Österreichs wurden ausgezeichnet

     

    Mit einem ge-uptradeten Mantel und Fragaria-Tascherl bewaffnet auf einem re.paro-reparierten Rad zu einem BuddyWorx Mentor Meeting zu fahren, um über gender-ungebundene-Jobs zu sprechen und die Arbeitswelt ungleich besser zu machen. Anschließend bei einem Snack aus fair gehandeltem, regionalen Gemüse von GemüseGepard in einer HeroBox eine Runde Urbodrom im Grätzl spielen!

    (inspiriert von Alexandra von Herobox)

     

    Klingt unmöglich? Im Gegenteil! Einige dieser genialen Ideen wurden am 1. Oktober beim Social Impact Award 2020 ausgezeichnet: Uptraded, Fragaria, Urbodrom, Men in Care and EducationRe.paro und HeroBox.

    Diese sozial oder ökologisch orientierten Start-ups haben schon eine längere Reise hinter sich. Sie wurden schon im Juni diesen Jahres unter knapp 50 Einreichungen als Finalist-Projekte des SIA Österreichs 2020 ausgewählt. Seitdem nahmen sie an zahlreichen Workshops, Events und Bootcamps teil, um ihre Ideen zu einem erfolgreichen Start-Up weiterzuentwickeln. Diese Inkubationsphase bietete den 10 Finalist-Projekten zusätzlich die Möglichkeit eines intensiven Mentorings, Zugang zu einem Expert*innen-Netzwerk und eine finanzielle Starthilfe. So entwickelten sich über den Sommer die Projekte und Konzepte zu jungen Start-Ups, die nun bei der Award Ceremony der Jury präsentiert werden konnten.

    Am 1. Oktober hatte die 14-köpfige Jury nun die Qual der Wahl. Basierend auf einem Live-Pitch der Teams und einer kurzen Frage und Antwort Runde wurden die vier besten Projekte nach einer ausgiebigen Diskussion unter den Juror*innen gekürt. Das fünfte Gewinnerteam wurde nicht von der Jury, sondern von allen am SIA interessierten Personen in Österreich ausgezeichnet – mit dem Community Award. Dabei konnte jede*r, der oder die mitmachen wollte, die Pitch-Videos der Finalist*innen online ansehen und für maximal drei Projektideen abstimmen. Über 1800 Votings konnten im September auf diesem Weg über die SIA Website gezählt werden. Mit einem extrem knappen und spannenden Ergebnis konnte sich re.paro schließlich den Community Award sichern. Und der Publikumspreis für das Live-Pitchen ging an Herobox.

    Obwohl das hybride Event aufgrund der globalen Pandemie heuer strikte Regelungen befolgt hat, war der Applaus laut, die Stimmung gut, und das Event ein voller Erfolg. Die Finalist Teams als auch die Jury konnte vor Ort unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen im Impact Hub Wien sein und wurden dabei von vielen gespannten Zuschauer*innen live online begleitet. So konnten die jungen Sozialunternehmer*innen trotz der herausfordernden Situation die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt. Ein besonderer Punkt auf der Agenda war die inspirierende Ansprache von Sören Lex, SIA Alumni und Gründer von plasticpreneur. Er zeigte, wie sich ein Projekt nach der SIA Phase weiterentwickeln kann und „wie wichtig es ist, auf der Reise ein inneres Feuer als Antrieb und stabilen Felsen als Halt zu haben, der einem durch die Auf und Abs des Entrepreneur-Daseins begleitet”, so die Metaphorik von Sören, die sich auch durch die weitere Anmoderationen der Gewinner-Teams durch die Jury zog. 

    Neben dem Preisgeld winkt den Gewinner*innen auch eine Teilnahme am diesjährigen Online SIA Summit im November – der größte bisher mit über 400 Teilnehmenden. Dort kommen alle anderen Gewinner-Projekte und Finalist*innen des Social Impact Awards aus 15 Ländern und drei Kontinenten zusammen, um sich zu vernetzen und mit Open Space Technology gemeinsam voneinander zu lernen. 

    Bilder: Alexander Gotter

  • Interview mit uptraded (Finalist 2020)

    Die meisten von uns finden bestimmt immer wieder Kleidungsstücke in unserem Schrank, die kaum oder sogar nie getragen wurden. Uptraded will etwas dagegen, sowie das Phänomen Fast Fashion, tun und hat dafür eine App entwickelt, über die unerwünschte/ungetragene Kleidung getauscht wird. Wie diese genau funktioniert und wie damit der Umwelt geholfen ist, lest ihr hier.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau? 

    Die Idee kam uns durch einen Blick in unseren eigenen Kleiderschrank. Im Schnitt tragen wir ca. ein Fünftel unserer Kleidungsstücke nicht mehr, dabei sind wir aber nicht die einzigen. Allein in Deutschland verstauben 1.000.000.000 Kleidungsstücke in unseren Schränken. Zur selben Zeit wächst das Verlangen nach modischer Vielfalt, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit von Kleidung. Betrachtend, dass die Modeindustrie mit einem jährlichen Ausstoß von 1,2 Billionen Tonnen CO2, der zweitgrößte Umweltverschmutzer unserer Erde ist, wollen wir diesem Konsumverhalten ein Ende setzen. Wir sind davon überzeugt, dass gemeinsamer Konsum unseren Planeten und uns als Individuum einen enormen Mehrwert bietet. Wir denken Kleidung ist nur dann ungewollt, wenn sie im falschen Kleiderschrank liegt. Wir verbinden Menschen und ihre Kleidung miteinander, durch das effizienteste Matching System. Nutzer können ihre ungenutzten Kleidungsstücke hochladen und anschließend durch die Fashionitems Anderer swipen. Ein gegenseitiges Like erzeugt einen „Fit“ und die Nutzer können über einen Chat den Tausch arrangieren. Daraus ergibt sich eine App, die den nachhaltigsten und preisgünstigsten Weg bietet, den eigenen Kleiderschrank auf spielerische Weise uptodate zu halten. 

    Wer sind eure Role Models?

    Familie. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte? 

    Seit sieben Monaten arbeiten wir intensiv an uptraded. Je länger wir uns mit der Thematik beschäftigen, umso mehr begreifen wir die Auswirkungen der Modeindustrie auf unsere Umwelt und Gesellschaft. Gleichzeitig wächst damit der selbstempfundene Druck, dass uptraded zum Erfolg werden muss. Da kann es schon mal vorkommen, dass es schwer fällt die Augen zu schließen.   

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Wir beantworten die Interviewfragen gerade von einer einsamen Hütte aus den Südtiroler Bergen. Einen besseren Ausgleich können wir uns gerade nicht vorstellen! 

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld? 

    Mithilfe von uptraded können 65% CO2 und 90% Wasser pro T-Shirt gespart werden. Unser Ziel ist es, in drei Jahren 91.000 Tonnen CO2 und 9.5 Billionen Liter Wasser zu sparen. Zum Vergleich: dies entspricht Wiens monatlichen Wasserkonsums.  

    Wie unterscheidet sich eure App von anderen Plattformen (wie z.B. willhaben o.Ä.)?

    Uptraded unterscheidet sich von anderen Plattformen durch den Fokus auf das Tauschen von Kleidungsstücken, der monetäre Transaktionen in den Hintergrund stellt. Somit bietet uptraded eine noch nie dagewesene User Experience im secondhand Fashion Segment, die angenehme soziale Interaktionen und ein spielerisches Shopping Erlebnis erzeugt. Durch die Analyse von Style-Präferenzen mithilfe von komplexen Algorithmen, können die Feeds der User personalisiert werden. Schließlich wird durch das Tauschen kollektives Denken und nachhaltiges Konsumieren verstärkt.

    Werden wir irgendwann ein Ende von Fast Fashion erleben?

    Wir müssen, wollen, können und werden ein Ende von Fast Fashion erleben. Regelmäßig erobern Mode-Innovationen den Markt – von Leder aus Ananasblättern und regeneriertes Nylongarn bis hin zu angesagten secondhand concept stores und bald auch Tinder für Kleidung. Wir sind davon überzeugt, dass nachhaltiger Konsum keine Kompromisse mit sich bringen muss. Prognosen deuten darauf hin, dass Fast Fashion ein Auslaufs Model ist. Der Markt befindet sich derzeit also im starken Wandel, sodass der secondhand Markt 2028 etwa 1,5-mal größer sein wird als Fast Fashion. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir das gemeinsam schneller!

  • Interview mit Ungleich Besser – Kollektiv für Diversität und Inklusion (Finalist 2020)

    Diversität steht im Mittelpunkt von Sophies und Fides Projekt. Mit „Ungleich besser – dem Kollektiv für Diversität und Inklusion“ wollen sie Expert*innen aus genau diesem Bereich vernetzen, um auch größere Projekte umsetzbar zu machen und insbesondere Diversität weiter zu fördern. Hier könnt ihr nachlesen wie sie ihre Idee zu diesem Projekt entwickelt haben und ob sie sich in naher Zukunft eine gleichgestellte Welt vorstellen können.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Wir kennen uns durch unsere gemeinsame Arbeit für das Europäische Forum Alpbach und die Frauendomäne – Datenbank für Expert*innen (www.frauendomaene.at). Sophie Rendl (links im Bild) ist eine der CO-Gründerinnen der Frauendomäne und Fides Raffel (rechts) ist Vorstandsmitglied. 

    Unser Ziel mit der Frauendomäne war es ursprünglich, weibliche Kompetenz sichtbar zu machen, um dem Argument „Wir haben keine qualifizierte Frau* gefunden“ etwas entgegenzusetzen. Wir haben von Anfang an jedoch die Ansicht vertreten, dass Sichtbarkeit alleine nicht ausreicht, um das strukturelle Problem der Ungleichheit zu lösen und dass sich die gesellschaftlichen, beruflichen und sozialen Rahmenbedingungen grundlegend ändern und vor allem für alle Menschen gleichermaßen öffnen müssen. 

    Auf diesem Weg haben wir viele gleichgesinnte Menschen kennengelernt, die sich mit dem Thema “Diversität” schon seit Jahren beschäftigen.  Sei es als Verein, Unternehmensberater*innen, Gender- und Diversitymanager*innen oder als NGO, die oftmals allein und mit begrenzten Ressourcen diese wichtige Arbeit machen. Diversität wird von immer mehr Unternehmen als Chance und als Wettbewerbsvorteil begriffen, doch sie benötigen bei der internen Umsetzung oftmals externe Hilfe durch die oben genannten Expert*innen. Das große Problem ist, dass sie jedoch allein nicht all diese Hilfe zur Verfügung stellen können, die von den Unternehmen nachgefragt wird. 

    Wir möchten mit „Ungleich besser – dem Kollektiv für Diversität und Inklusion“ eine Plattform schaffen, um diese Expert*innen zu vernetzen, ihre Kräfte und ihr Wissen bündeln und mit den notwendigen Ressourcen auszustatten, damit sie größere und strukturelle Projekte gemeinsam umsetzen können. Somit erreichen wir alle gemeinsam das Ziel, Diversität in Österreich und in der Welt weiter zu fördern und zu stärken und vor allem Diversität als großes Ganzes und insbesondere intersektional zu sehen. 

    Wer sind eure Role Models?

    Unsere Role Models sind alle Vereine, NGOs und Einzelpersonen, die sich für die Menschen in unserer Gesellschaft einsetzen, die nicht mitgedacht werden und weniger sichtbar sind. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die Endlosigkeit der to-do-Listen.  

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Indem wir gezielt Abende mit Freund*innen damit verbringen, NICHT an den nächsten Tag zu denken.

    Welchen Impact hat eurer Projekt auf euer Umfeld?

    Diversität und Inklusion sind etwas, das im Kleinen wie im Großen einen Unterschied machen kann.

    Wann werden wir eine gleichgestellte Gesellschaft erleben?

    Das zentrale Problem ist, dass unsere Gesellschaft geschichtlich bedingt durch maskuline Normen geprägt ist. Aufgrund dieser Selbstverständlichkeit wird von vielen Menschen nicht die Notwendigkeit einer Umverteilung von Macht und Geld und einer Chancengerechtigkeit gesehen. Spricht man über die Beseitigung von Ungleichbehandlung, spricht man stets auch über die Abgabe von Privilegien. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass sie mit den Bedürfnissen einer homogenen Gruppe, sei es in Hinblick auf Geschlecht, Herkunft, Alter, sozialen Status etc., kongruent ist. Diese Gruppe hat gleichzeitig sehr viel Einfluss auf die Änderung des Status Quo, zum Beispiel durch Gesetze, Kapital, Macht oder eben durch die Abgabe der Privilegien, die mit einer bestimmten Position einhergehen. 

    Gleichstellung kann unserer Ansicht nach außerdem nur intersektional erfolgen. Wenn die gleichgestellte Gesellschaft angestrebt wird, so muss das für jeden Menschen geschehen und es müssen ALLE bei ALLEN Schritten mitgedacht werden.

    Die genannten Probleme sind ziemlich fest verankert und es braucht viel Kraft, um sie zu lösen. Wir denken also, dass wir das in diesem Tempo nicht so schnell erleben werden. 

  • Interview mit GemüseGepard (Finalist 2020)

    Wie der Name dieses Finalist-Teams schon verrät, liegt ihnen Gemüse am Herzen, und zwar genauer gesagt der Überschuss bzw. die daraus resultierende Lebensmittelverschwendung. Welchen Hintergrund die beiden Gründer*innen und welche Marktlücke sie gefunden haben, um gegen dieses Problem anzukämpfen, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Fabi ist food-sharer und holt essbare, aber nicht verkaufte Lebensmittel von Supermärkten ab. Pia war begeisterte Dumpsterin während ihres Studiums. Beide sind wir empört über die Lebensmittelverschwendung. Auch in der Landwirtschaft fallen enorme Mengen an Lebensmittelverschwendung an. Dagegen wollten wir etwas tun!

    Anfangs haben wir an einer Plattform für Überschüsse gearbeitet, die würde das Problem aber nicht an der Wurzel packen und das System verändern, sondern „nur“ die Überschüsse verwerten.
    Deshalb verändern wir jetzt die ganze Lieferkette, damit es gar nicht erst zu Überschüssen kommt.
    Wir bringen mehr Regionalität in die Gastronomie. Wir vermitteln Obst und Gemüse von den LandwirtInnen an die GastronomInnen und ermöglichen Direktverkäufe ohne zusätzlichen Aufwand. Wir kümmern uns um die Logistik und bieten volle Transparenz. Dadurch braucht es die strengen Verträge zwischen Handel und Landwirtschaft nicht mehr, die einer der Hauptgründe für die enorme Verschwendung sind. Außerdem wird mehr regionales Obst und Gemüse verwertet und gegessen, die Transportwege verkürzt und die LandwirtInnen für ihre Arbeit fair entlohnt. Somit wirken wir auch dem „Bauernsterben“ entgegen und zeigen, dass Regionalität mit all seinen positiven Faktoren notwendig und machbar ist!

    Wer sind eure Role Models?

    Personen, die ohne Scheu hinaus gehen in die Branchen, in denen sie ihre Idee umsetzen wollen und unangenehme, aber notwendige Fragen stellen. Das ist vor allem am Anfang, wenn man sich noch nicht so gut auskennt, schwierig und erfordert Mut.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?
    Wir führen im September einen Testlauf durch, bei dem wir einige Gastrobetriebe beliefern. Das bedarf einiger Vorbereitung und wir sind schon sehr gespannt.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Mountainbiken im Wienerwald

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Uns wird immer wieder gesagt, dass unsere Motivation mitreißend ist. Wir zeigen vor, dass es Mut braucht, um ein Herzensprojekt anzugehen, aber, dass es sehr befriedigend ist an etwas zu arbeiten, das positive Auswirkungen auf Mensch und Natur hat. Es braucht viel Energie, um aus der Comfort-Zone heraus zu kommen, aber es lohnt sich.

    Was unterscheidet euch von klassischen Gemüsekisterl?

    Bei Gemüsekisterln wird Obst und Gemüse entweder von einzelnen LandwirtInnen (saisonal, regional), oder von HändlerInnen (Herkunft ungewiss) an Privathaushalte verkauft. Wir hingegen bringen mehr Regionalität in die Gastronomie.
    Auf unserer Plattform bestellen Gatronomiebetriebe alles Obst und Gemüse, das sie brauchen. Das was es regional gibt, wird von unseren Bauern an das jeweilige Gasthaus verkauft. Weil es sich, aber nicht auszahlt für die LandwirtInnen, jedes Mal, wenn ein/e Wirt/in etwas kaufen möchte, Ware zu liefern, gibt es GemüseGepard. Bei uns kaufen GastronomInnen ein wie bisher, bekommen allerdings regional verfügbare Ware direkt von den LandwirtInnen – und das ohne zusätzlichen Aufwand. Denn wir kümmern uns um die gesamte Organisation und Logistik. So wissen unsere KundInnen in der Gastronomie genau wo ihr Obst und Gemüse herkommt, dass der/die ProduzentIn dafür fair entlohnt wurde und das Klima geschützt wird. Das was es nicht regional gibt, kaufen wir beim Großhandel zu, damit unsere GastronomInnen auch wie bisher, all ihr Obst und Gemüse in einer Lieferung bekommen.

    Was ist Euer regionales Lieblingsgemüse?

    Fenchel

  • Interview mit fragaria (Finalist 2020)

    Fragaria, ein Jungunternehmen, gegründet von Schülerinnen im Zuge eines Schulprojekts, beschäftigt sich mit der Stigmatisierung der Menstruation und will mit Aufklärungsarbeit, sowie ihren entwickelten Taschen für Tampons, Binden & Co. aktiv dagegen handeln. Warum ihnen dieses Thema am Herzen liegt und wie ihre Taschen aussehen, könnt ihr im folgenden Beitrag nachlesen.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Fragaria ist im Zuge eines Schulprojektes als sogenannte Junior company entstanden. Hierbei handelt es sich als ein „Übungsunternehmen“, dass mit realem Geld- und Warenverkehr ein Schuljahr lang von SchülerInnen geführt wird. Wir wussten von Anfang an, dass wir etwas Feministisches bzw. etwas im Zusammenhang mit Menstruation machen wollen und kamen dann auch relativ schnell auf unser Produkt, die PMS. Dies ist eine Tasche zur Aufbewahrung und zum Transport von Menstruationsartikeln. Zudem leisten wir auf Social Media Aufklärungsarbeit zum Thema Menstruation und Feminismus und wollen als Brand die Periode weiter destigmatisieren.

    Wer sind eure Role Models?

    Unsere Role Models sind einerseits Menschen, die einen Beitrag zur Gleichberechtigung beigetragen haben (schaut dazu auf unserem Instagram-Profil vorbei unter dem Highlight „Womens Wednesday“), sowie Unternehmen, die sich mit dem Tabu befassen und dagegen arbeiten, wie z.B. meine Wollke, Erdbeerewoche, einhorn etc.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Im Moment verschafft uns der Umstand, dass wir ein Unternehmen gründen müssen schlaflose Nächte, da wir, anders als gedacht, Fragaria nicht als Junior Company weiterführen können. Da die Mitglieder noch minderjährig sind, benötigen wir eine volljährige Person, die die Firma übernimmt, bis wir alt genug sind. Alles in allem ist das ein riesiger bürokratischer Aufwand.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Ausgleich verschaffen wir uns dadurch, dass wir uns die Arbeit so aufteilen, dass niemand alles machen muss und so jede genug Zeit hat, sich anderweitig zu beschäftigen.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Unser Impact ist, dass wir jungen menstruierenden Menschen dabei helfen, frei und schamlos mit ihrem Körper umzugehen. Wir leben als Vorbilder vor, bieten hilfreiche Produkte an und zeigen mit unseren Social Media Kampagnen, dass es keinen Grund gibt sich für etwas so Natürliches, wie die Menstruation, zu schämen.

    Wie sehen eure Taschen aus?
    Die PMS gibt es in drei verschiedenen Varianten, die PMS, die PMS micro und die PMS maxi.
    Die PMS ist eine Reisverschlusstasche, die genau in eine Hosentasche hineinpasst. Sie beinhaltet ein „Tamponmagazin“, eine Anreihung elastischer Schlaufen, in der 7-8 Tampons praktisch aufbewahrt werden können. Außerdem beinhaltet sie eine Innentasche für z.B. Schmerzmittel. Die PMS maxi ist eine größere, wasserabweisende Toilettetasche, die neben dem Tamponmagazin noch zwei Innenfächer beinhaltet. Die PMS micro ist eine Schlüsselanhänger-Tasche, in die 4-6 Tampons hineinpassen. 
    Da wir ausschließlich mit secondhand-Stoffen bzw. Stoffresten arbeiten, ist jede Tasche ein Unikat.

    Was bedeutet der Name?

    Der Name „Fragaria“ ist Latein und bedeutet „Erdbeere“, was eine Anspielung auf den Begriff „Erdbeerwoche“, ein Kosewort für die Menstruation, sein soll. PMS steht für Period Management System und ist gleichzeitig ein Wortspiel mit der Abkürzung für das prämenstruelle Syndrom. 

    Was bedarf es noch im Kampf gegen die Stigmatisierung?

    Im Kampf gegen die Stigmatisierung bedarf es, dass vor allem junge Menschen, die gerade erst zu menstruieren begonnen haben, offen und ehrlich darüber reden können und so leichter Zugang zu Hilfestellungen und Tipps bekommen können. Außerdem sollten auch nicht-menstruierende Menschen informiert werden. Dies ist im Moment aufgrund des großen Tabus nicht so. Auch die Besteuerung von Menstruationsartikeln muss offen angesprochen werden.

  • Interview mit Urbodrom (Finalist 2020)

    Urbodrom – ein Spiel, das Menschen einander näherbringt, indem es ihnen ermöglicht in die Perspektive eines anderen Mitmenschen zu schlüpfen. Damit soll sichtbarer werden wie unterschiedlich die Bedürfnisse jedes/jeder einzelnen sind. Charlie und Laura ermöglichen spielerisch diesen Rollenwechsel und wollen damit sicherstellen, dass auch jeder seine/ihre Ideen für eine bessere und inklusivere Stadt einbringen kann.
    Hier erfahrt ihr mehr.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Die Idee ist während unserer Arbeit im Oikodrom – the Vienna Institute for Urban Sustainability gewachsen. Hier stolpern wir immer wieder über die Themen Raumordnung, Partizipation und soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Mit dem Spiel nehmen wir den Themen das akademische Blabla und die Ernsthaftigkeit. Dadurch kann jede/r mitspielen.

    Bei Urbodrom schlüpfen die Spieler*innen in unterschiedliche Rollen, wechseln dadurch ihre Perspektive und werden damit konfrontiert, wie schwierig es ist, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wir moderieren das Spiel, trotzdem soll sich jede*r Spieler*in kreativ ausleben können und seine/ihre Ideen einbringen können, denn jede Stimme soll gehört werden können. 

    Wir werden von Schulen, zur Förderung politischer Beteiligung, bei Grätzlfesten oder zusammengefasst: überall da gebucht, wo Menschen gehört werden sollen. Inklusive Spaßfaktor!

    Wer sind eure Role Models?

    Nonkonform denkende Menschen, also jede*r der/die sich traut neue Wege zu gehen. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Momentan jonglieren wird Urbodrom, Job, Uni & Freizeit. Manchmal wird alles zu viel, aber ein aufregendes Leben ist eben auch schön…

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Charlie: Meistens sind das meine Lieblingsmenschen und zusammen Tanzen. Aber eigentlich kommt es immer ganz darauf an, was man ausgleichen will…

    Laura: Ich bin noch nicht so lange in Wien, deshalb ist für mich der beste Ausgleich, mich aufs Rad zu schwingen und die Stadt und ihre hübsche Umgebung zu erkunden.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Wir hoffen, dass wir mit Urbodrom Menschen einander näherbringen. Durch das Hineinschlüpfen in eine andere Rolle versetzen sich die Spieler*innen in jemanden mit anderen Interessen und Bedürfnissen. Das kann Miss- und Unverständnis aus dem Weg räumen. Das Spielbrett ist ein Raum für spielerischen Austausch, Begegnung und Kreativität.

    Was ist eure Vorstellung einer idealen nachhaltigen Stadt? 

    Über diese Frage könnte man ganze Bücher schreiben, und ja – es wurden auch schon viele darübergeschrieben. 

    Im alltäglichen Sprachgebrauch wir das Wort Nachhaltigkeit inflationär genutzt. Das birgt unserer Meinung nach eine Gefahr:

    Dem Wort Nachhaltigkeit wird die ursprüngliche Bedeutung geraubt.

    Nehmen wir als Beispiel den Mythos der ökonomischen Nachhaltigkeit: Nicht nur Politiker*innen benutzen diesen Begriff gerne. Das wird dem Widerspruch zwischen den Zielen der Ökonomie und denen der Nachhaltigkeit nicht gerecht: Während die Wirtschaft stetigen Wachstum will, bedeutet Nachhaltigkeit im ursprünglichen Sinn, dass nur so viele Ressourcen verbraucht werden, wie simultan reproduziert werden können. Das heißt, dass die Begriffe nachhaltig und Ökonomie nicht miteinander vereinbar sind.

    Nach langer Diskussion haben wir uns darauf geeinigt unsere Vorstellungen von einer nachhaltigen Stadt auf zwei wichtige Punkte herunterzubrechen: Jeder soll zufrieden sein (soziale Nachhaltigkeit) und die Funktionsweisen der Stadt sollen rund laufen aber dennoch das Ökosystem nicht belasten (ökologische Nachhaltigkeit).

  • Interview mit HeroBox (Finalist 2020)

    Wiederverwendbare Boxen – das ist die Antwort der beiden Gründer*innen von HeroBox auf die Plastikverschwendung bei Lieferungen. Im Interview mit uns erklären die beiden wie sie auf ihre Idee gekommen sind, wer ihre Role-Models sind und wie wir alle etwas gegen den Plastikmüll unternehmen können.
    Ihr Optimismus ist höchstansteckend!

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    In einem Satz zusammengefasst ermöglicht es HeroBox, Take-away Essen in Zukunft endlich ohne Einwegplastikmüll und schlechtes Gewissen zu genießen.

    Uns wurde nicht zuletzt während des Covid-19 Lockdowns wieder vor Augen geführt, dass die Entscheidung, Essen aus unseren Lieblingsrestaurants mitzunehmen, aktuell leider auch eine aktive Entscheidung dafür ist, Plastikmüll zu verursachen. Genau bei dieser Problematik setzt HeroBox an:

    Wir bauen derzeit ein Netzwerk von Restaurantpartnern in ganz Wien auf, und stellen ihnen unsere HeroBoxen, das sind hundertfach wiederverwendbare Mehrwegboxen, zur Verfügung. Sobald bei diesen Restaurants nun Take-away bestellt wird, wird es künftig in eine HeroBox gefüllt. Der/die Kund*in kann dann das Essen auswärts genießen und bringt die HeroBox danach einfach zu einem beliebigen Partnerrestaurant zurück. Dieses Restaurant wäscht die HeroBox, prüft die Qualität und kann sie anschließend wieder an den nächsten Gast weitergeben.

    Das bietet gleich mehrere Vorteile für alle Beteiligten: Für Konsumenten sind wir absolut kostenlos und die erste skalierbare und in der täglichen Verwendung bequeme Möglichkeit, schädlichen Einwegmüll zu vermeiden. Darüber hinaus spart HeroBox auch den Restaurants bares Geld, da wir kosteneffizienter arbeiten können als die Hersteller der dominanten Einweglösungen. 

    Wir sind sehr beeindruckt von der Zahl an positiven Rückmeldungen sowohl von Restaurant- als auch Kundenseite, was uns zeigt, dass das Timing für unsere Lösung stimmt. SIA bietet eine sehr gute Plattform, um unsere HeroBox erfolgreich auf den Markt zu bringen.

    Wer sind eure Role Models?

    Im direkten Wiener Umfeld ist myCoffeeCup definitiv ein Role Model. Sie waren die ersten, die im Getränkesektor eine flächendeckende nachhaltige Lösung etablieren konnten und ihr Erfolg zeigt, dass Nachhaltigkeit im heutigen Konsumverhalten eine wichtige Rolle spielt.

    Im Food-Segment gibt es auf internationaler Ebene mehrere Spieler, die in den letzten Monaten speziell in amerikanischen Großstädten Lösungen für plastikfreies Lieferessen auf den Markt gebracht haben, was uns darin bestärkt, dass der Markt reif für unsere Lösung ist.

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Unsere Idee basiert stark auf Netzwerkeffekten – sprich, der Nutzen für alle Beteiligten (Restaurants und Endkunden) steigt, je mehr Partnerbetriebe unsere HeroBox verwenden. Die Ausweitung unseres Netzwerks ist sicherlich das, was uns derzeit am meisten beschäftigt, da wir gerne eine flächendeckende Lösung für die Plastikproblematik bieten wollen. Die positiven initialen Rückmeldungen, die wir erhalten, stimmen uns allerdings optimistisch, diesen wichtigen Schritt bald zu schaffen.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Wir sind beide sehr naturverbundene und abenteuerlustige Menschen. Aktuell nutzen wir die langen Sonnenstunden und das gute Wetter, um nach längeren Arbeitstagen noch Abkühlung an der Alten Donau zu finden, oder am Wochenende eine Wanderung in der steirischen und oberösterreichischen Heimat zu unternehmen. Für Diskussionsstoff sorgt allerdings öfter, ob das klassische Laufen oder doch Radfahren das sportlichere Fortbewegungsmittel der Wahl darstellt.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Wir sind stolz darauf, ein Umdenken in Bezug auf Plastikverbrauch, -verschmutzung und -abfall angestoßen zu haben – sowohl in der Gastronomie als auch in unserem Freundes- und Familienkreis. Es ist jedes Mal schön zu sehen, wenn zu einer kleinen (Corona-sicheren) Feier wiederverwendbare Flaschen und unverpacktes Essen mitgebracht wird. Wir hoffen, dass die HeroBox dieses Umdenken bei immer mehr Leuten anregt, und die Mehrweg-Revolution in Wien in der Gastronomie mit HeroBox startet. Wir hoffen ihr seid alle bald Teil davon!

    Wieso liegt euch das Thema Plastik am Herzen?

    Ganz einfach: direkt vor unserer Nase werden jeden Tag Tonnen von Einweg-Plastik, (Soft-drink-flaschen, Toiletteartikel, Sackerl,..) produziert, konsumiert und weggeworfen. An dieser Stelle soll bitte jeder einfach an den letzten Supermarkteinkauf denken – erschreckend, dass kaum etwas nicht in Einwegplastik verpackt ist, oder? Aber was nicht direkt vor unserer Nase ist, sind die wachsenden Plastikmüllberge weltweit. Diese steigende Verschmutzung ist – wie viele andere Katastrophen auf der Welt – ein soziales, umwelttechnisches, geopolitisches und wirtschaftliches Problem. Doch anders als bei anderen Katastrophen kann man hier direkt einen positiven Einfluss haben, und zwar jeder von uns! Wir haben es in der Hand uns für die unverpackte Zucchini, die Blockseife oder eben die HeroBox zu entscheiden. Und wir glauben, dass in Zukunft viele Leute das Richtige in die Hand nehmen.  

    Warum ist Plastik, eurer Meinung nach, nach wie vor so allgegenwärtig?

    Es ist vielfach einsetzbar, es ist überall zu erhalten, und es ist billig. Letzteres muss man allerdings ein bisschen differenzierter betrachten: Billig ist es nur in der kurzen Frist, wenn man schnell eine Falsche Shampoo oder so kauft. Aber in der langen Frist wird uns diese leichtfertige Verwendung von Plastik einholen, und teuer zu stehen kommen (umwelttechnisch, sozial, geopolitisch und wirtschaftlich).
    Wir glauben auch, dass es für viele Betriebe schwierig ist, auf Mehrwegvarianten umzusteigen, da Langzeitlieferverträge nicht einfach zu ändern sind, oder Kunden auf die vermeintliche Hygiene von Plastikverpackungen bestehen. Hier wollen wir einhaken, und unseren Partnerrestaurants mit der HeroBox unter die Arme greifen, indem wir ihnen einen wirtschaftlichen Grund geben, auf Einweg-plastik zu verzichten.

  • Interview mit Men in Care and Education (Finalist 2020)

    „Study your dream, not your gender“ – das ist das Motto der Gründer*innen von Men in Care and Education. Sie setzen sich mit ihren Workshops dafür ein, dass mit der Einteilung in Frauen- und Männerberufe gebrochen wird und mehr Männer ermutigt werden, sich für Sozial- und Erziehungsberufe zu entscheiden. 

    Wie sie ihre Idee entwickelt haben und welche Hindernisse sich speziell Männern in dieser Domäne auftun, könnt ihr hier nachlesen.

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Welchen Beruf du später mal hast und welche Ausbildung du dafür machst, hängt ganz stark davon ab, ob du eine Frau oder ein Mann bist. In unserer Gesellschaft gibt es Berufe, die als klassische Männer- oder Frauenberufe gesehen werden und wir sind schon länger der Überzeugung, dass das absoluter Blödsinn ist. Die Corona-Krise hat nochmal drängender gezeigt, wie sehr unsere Gesellschaft Pfleger und Pflegerinnen, Lehrerinnen und Lehrer und Menschen, die sich gegeneinseitig unterstützen und helfen, brauchen und dass wir auf alle engagierten Menschen angewiesen sind.

    Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, mehr Männer für den Zivildienst und in weiterer Folge über Pflege – Sozial und Erziehungsberufe zu informieren. Wir entwickeln und halten Workshops. Wir bereiten Informationen auf und vernetzen die richtigen Leute. Von uns ausgebildete Vortragende gehen in Schulen, Jugendzentren und andere soziale Einrichtungen und bieten Informationen und persönliche Erfahrungen an, um mit jungen Männern gemeinsam über die Vielfältigkeit von Berufen in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Erziehung zu reden.

    Wer sind eure Role Models?

    Unsere großen Vorbilder sind Männer, die auf gesellschaftliche Rollenbilder pfeifen und den Job machen, der ihnen richtig Spaß macht. Egal ob das Pfleger, Kindergärtner, Altenbetreuer oder Sozialarbeiter ist. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die Zukunftsaussichten. Wenn sich nicht bald was ändert und wir jungen Männern verständlich machen können wie wichtig und sinnvoll soziale Berufe sind, haben wir bald als gesamte Gesellschaft ein großes Problem.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Sport, Yoga, tief durchatmen, mit dem Pferd im Wald spazieren gehen, gscheite und weniger gscheite Bücher lesen, gemeinsam philosophieren und große Pläne schmieden

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Wir brechen klassische Rollenbilder auf und möchten was verändern! Wir richten Aufmerksamkeit auf ein Thema, das in unserer Gesellschaft selten hinterfragt wird. Am Ende des Tages wollen wir, dass jeder und jede den eigenen Traumjob hat, egal was andere dazu sagen. Study your dream, not your gender!

    Welche Hindernisse begegnen speziell Männer in diesem Bereich?

    Auf der einen Seite fehlt es an gut aufbereiteten Infos für junge Männer, welche Möglichkeiten es überhaupt im Bereich der Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsberufe gibt. Es fehlt an Vorbildern und Berater*innen. Es fehlt an Männern, die von ihrer Arbeit als Zivildiener erzählen und andere dafür begeistern können. 

    Andererseits gibt es noch immer Vorurteile, welche Berufe ein Mann und welche Berufe eine Frau zu ergreifen hat. Damit zu brechen und eine andere Richtung als Familie und Freunde einzuschlagen ist oft schwer.

    Könnt ihr uns den Begriff Caring Masculinity erläutern?

    Caring Masculinity ist ein neuer Gegenentwürfe zu veralterten Rollenbildern. Caring leitet sich aus den sogenannten Care-Berufen ab, die wir als Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsberufe definieren. Diese erstrecken sich von Pflegeberufen über Lehrer, Tagesväter, Kindergärtner, Zivildiener über Sozial- und Elementarpädagogen, Sozialarbeiter und noch viele mehr. Die caring masculinity zeichnet sich dadurch aus, dass Männer sich ihrer Rolle als positives Vorbild für junge Männer bewusstwerden. Wenn mehr Männer zum Beispiel als Lehrer oder Kindergärtner arbeiten, bekommen Kinder und Jugendliche schon ganz früh ein positives Bild, wie man auch männlich sein kann, ohne die klassischen Hollywood-beeinflussten Stereotypen zu bedienen. Männer sind genauso fürsorglich, sozial und kümmern sich um andere, nur sieht man das viel zu selten. Diese Vorbildwirkung und Verantwortung zu erkennen und diese anzunehmen gehört auch zu caring masculinity dazu.

     

  • Interview mit re.paro (Finalist 2020)

    Ein kaputter Kasten, ein eingerissenes Sofa oder ein wackeliges Tischbein? Kein Problem für das Team von re.paro. Tom und Claudia kommen mit einem Fahrradtaxi vorbei und erledigen kleine Reparaturen vor Ort oder bringen diese gegebenfalls zu einem/einer Expert*in.
    Im Interview verraten die beiden uns wie sie ihr Projekt entwickelt haben und inwiefern Reparieren als soziales Projekt verstanden werden kann. Schaut rein!

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Tom hatte als gelernter Tischler immer schon Spaß daran selbst Dinge zu reparieren oder jemanden zu finden, der eine spezielle Reparatur doch noch durchführen kann, um so nicht etwas Neues kaufen zu müssen. Dies hängt mit der Liebe zu manchen Gegenständen und der Freude am Reparieren zusammen. So entstand die Idee, dass wir uns mehr mit dem Reparieren von Sachen auseinandersetzen wollen, um uns mehr mit dieser schönen Tätigkeit beschäftigen und diese Freude auch mit anderen Menschen teilen zu können. Obendrauf tun wir so auch noch der Umwelt einen großen Gefallen, da wir so ja Müll vermeiden und Ressourcen sparen. Reparieren muss unserer Meinung nach aber auch innovativ sein: es darf nicht viel Zeit kosten und sollte möglichst günstig und unkompliziert ablaufen. So kam uns die Idee, dies mit einem Lieferservice zu verbinden, der auch Dinge, die wir nicht selbst reparieren können, zu Fachleuten bringt.

    Wer sind eure Role Models?

    Im Reparaturkontext finden wir die Arbeit, die Sepp Eisenriegler mit „RUSZ“ in Wien leistet, und das Netzwerk „Right to Repair“ beeindruckend. Außerdem sind wir beide fasziniert von Menschen, die ein Handwerk bis ins feinste Detail beherrschen und darin jeden Tag voller Begeisterung aufgehen. Diese Hingabe findet man heute leider immer seltener. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die Frage, wie das Projekt in einem Jahr aussehen wird.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Wir laden gerne Leute ein oder besuchen Freunde in und um Österreich, gehen gerne ins Kino und in die Natur.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Viele unserer Freunde und Freundinnen tun das, was gute Freunde natürlich tun müssen: Sie bestätigen uns, dass es eine tolle Idee ist. Darüber hinaus werden wir aber auch mit kritischen Fragen konfrontiert, die uns viel weiterbringen. Einige haben uns auch gleich gefragt, wie sie mitmachen können. Einige, welche vielleicht bis jetzt noch wenige Male daran gedacht haben, etwas reparieren zu lassen, haben uns gleich um Reparaturen gebeten oder die Notwendigkeit dieses Angebots betont.

    Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

    „reparo“ kann aus dem Spanischen direkt mit „Ich repariere“ übersetzt werden. Der Punkt dazwischen, wodurch daraus re.paro wird, hebt hervor, wofür das Wort im ursprünglichen Sinn steht: Etwas wieder zusammenbringen, das einmal zusammengehörte. Dieser Grundgedanke begleitet unsere Tätigkeit, denn es ist uns auch wichtig, den Menschen wieder näherzubringen, wie viel Rohstoffe und Arbeit in den Dingen steckt, die wir heute oft leichtfertig wegwerfen.

    Inwiefern ist Dinge reparieren ein soziales Projekt?

    Weil Reparaturen so vielfältig sind, braucht man dafür immer das Wissen vieler verschiedener Personen. So schaffen wir eine Gemeinschaft von Reparaturinteressierten, die aus Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen besteht. Wir fördern durch unsere Arbeit die Wertschätzung für handwerkliche Tätigkeiten und stärken das Bewusstsein für eine funktionierende Reparaturkultur in unserer Gesellschaft. Unsere Vision ist es, dass Menschen bei einem kaputten Gegenstand nicht gleich an den nächsten Neukauf, sondern zuerst an die Reparaturmöglichkeiten denken. Außerdem wollen wir dazu beitragen, dass Menschen ihre Produktwahl genauer hinterfragen: Von der Frage nach fairen Produktionsbedingungen bis hin zum Kriterium der Reparierbarkeit.

     

  • Unsere Top 10 von 2020

    Am 2. Juli zelebrierten wir unser Finalist Announcement als Live-Übertragung aus dem Impact Hub Vienna. Was trotz des veränderten Formats gleich blieb, war der Grund der Veranstaltung: der feierliche Abschluss der ersten Hälfte des Social Impact Awards 2020 und die Bekanntgabe der diesjährigen finalen Projekte!

    Nachdem das Jahr 2020 nach dem SIA Kick-Off mit fast 100 Teilnehmer*innen einige Überraschungen hinsichtlich der Planung von über 50 weiteren Events des SIA in 8 Städten gebracht hatte, entwickelten wir neue online Supportangebote: zwei neue Webinar-Formate, gefolgt von 1-on-1 Coachings vor der Einreichung und unsere Alumni Lunch Talks als Motivationsquelle für die Mittagspause. Insgesamt hielten erreichten wir also knapp 200 Teilnehmende mit den Webinaren und konnten 20 Projekte vor der Einreichung coachen. Das Resultat dieses Engagements war, dass sich 48 unterschiedliche Ideen für die 10 begehrten Finalisten-Plätze beim SIA beworben haben. Genau diese 10 von der Jury ausgewählten Projekte wurden beim Finalists Announcement vorgestellt.

     

    Wie kann man sich so ein Online- Finalists Announcement also vorstellen?

    Grundsätzlich war die Teilnahme am Finalists Announcement mithilfe eines Links möglich, aber auch über einen Livestream auf Facebook konnten Interessierte die Veranstaltung verfolgen. Ziel war es also, möglichst vielen Menschen trotz der Umstände, die Teilnahme zu ermöglichen und wir freuen uns, dass diese Möglichkeit auch von sehr vielen genutzt wurde.

    Schließlich haben all jene, die dies nicht getan haben, schon etwas verpasst: So führte SIA-Österreich Koordinatorin Stefanie Beßler durch den Abend, begleitet von Katrina Günther von Thinking Visual, die die Finalist-Projekte mithilfe von Graphic Recording untermalte und wir so ein erstes Bild der unterschiedlichen Projekte erhalten konnten.

     

    Wer also sind sie, die 10 Finalist Projekte des SIA 2020?

    MEN IN CARE AND EDUCATION : Men in Care and Education hat es sich zum Ziel gemacht, den Männeranteil in Sozial-, Pflege- und Erziehungsberufen und im Zivildienst durch verschiedene Infoworkshops zu erhöhen und damit „Caring Masculinity“ und gesellschaftliche Barrieren sichtbar zu machen.

     

     

     

     

    UPTRADED : Um dem Konsumrausch ein Ende zu setzen,    möchte Uptraded eine Kleidertausch-App anbieten, bei der  User*innen günstig und nachhaltig „shoppen“ können.

     

     

     

     

     

     

    BUDDYWORX : Buddyworx möchte durch Workshops und individuelles Mentoring Kompetenzen zur selbstständigen Entscheidungsfindung (insbesondere hinsichtlich der beruflichen Zukunft) bieten und so nicht nur die Chancengleichheit, sondern auch die Readiness junger Menschen für die Arbeitswelt erhöhen.

     

     

     

     

    FRAGARIA : Fragaria will mit ihren Taschen zur Aufbewahrung von Menstruationsartikeln gegen die Stigmatisierung der Periode, besonders in Schulen, kämpfen.

     

     

     

     

     

     

    BLUE MONDAY PROJECT : Blue Monday Project möchte mithilfe einer App ein flächenübergreifendes Bonussystem für nachhaltige Aktivitäten einführen, die Transparenz beim Konsum schaffen und das Konsumverhalten gleichzeitig in eine nachhaltige Richtung lenken soll.

     

     

     

     

     

     

    URBODROM : Wie sieht eine Welt/Stadt aus, die nachhaltigen Vorstellungen entspricht? Diese Frage versucht Urbodrom mithilfe eines Stadtquartier-Spiels zu beantworten, bei dem ein nachhaltiges Stadtquartier in einem Aushandlungsprozess möglichst vieler Perspektiven entstehen soll.

     

     

     

     

    GEMÜSEGEPARD :  GemüseGepard ist eine Plattform an der Schnittstelle zwischen Lebensmittelproduzenten und lebensmittelverarbeitenden Betrieben, auf der frisches Obst und Gemüse aus Überproduktion verkauft wird, das sonst verschwendet werden würde. Ihr Ziel ist es, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

     

     

     

     

    REPARO : Reparo bietet ein Fahrradtaxi für die Reparatur kleiner Schäden. Die Reparatur wird entweder vor Ort erledigt oder zu einem Experten geliefert und wieder zurückgebracht, um der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken.

     

     

     

     

     

    KOLLEKTIV FÜR GENDER EQUALITY : Durch gezielte Maßnahmen, Projekte, Leistungen und Lobbyarbeit und unter Einbeziehung einer Datenbank an Expert*innen soll das erste Kollektiv für Gender Equality und Diversity in Österreich umgesetzt werden, um der strukturellen Ungleichbehandlung von Frauen ein Ende zu setzen.

     

     

     

    HEROBOX : Herobox will zur Lösung des globalen Problems der Plastikverschmutzung beitragen, indem in einer direkten Kooperation mit Delivery Services und Restaurants wiederverwendbare Verpackungsboxen zur Verfügung gestellt werden.

     

     

     

     

     

    Diese 10 Projekte starten jetzt Mitte Juli in die Inkubationsphase, in der ihnen unter anderem ein Mentoringprogramm, Zugang zu unserem Experts Pool und ein Taschengeld in Höhe von 300€ geboten wird. Außerdem erhalten sie Zugang zu unserem Social Entrepreneurship Netzwerk, sowie der SIA Alumni Community. 

    Wir sind gespannt, wie die SIA-Reise sich 2020 noch entwickeln wird und freuen uns darauf, gemeinsam mit den Finalists an ihren Projekten zu arbeiten!