• Interview mit re.paro (Finalist 2020)

    Ein kaputter Kasten, ein eingerissenes Sofa oder ein wackeliges Tischbein? Kein Problem für das Team von re.paro. Tom und Claudia kommen mit einem Fahrradtaxi vorbei und erledigen kleine Reparaturen vor Ort oder bringen diese gegebenfalls zu einem/einer Expert*in.
    Im Interview verraten die beiden uns wie sie ihr Projekt entwickelt haben und inwiefern Reparieren als soziales Projekt verstanden werden kann. Schaut rein!

    Wie kam euch die Idee und was macht ihr genau?

    Tom hatte als gelernter Tischler immer schon Spaß daran selbst Dinge zu reparieren oder jemanden zu finden, der eine spezielle Reparatur doch noch durchführen kann, um so nicht etwas Neues kaufen zu müssen. Dies hängt mit der Liebe zu manchen Gegenständen und der Freude am Reparieren zusammen. So entstand die Idee, dass wir uns mehr mit dem Reparieren von Sachen auseinandersetzen wollen, um uns mehr mit dieser schönen Tätigkeit beschäftigen und diese Freude auch mit anderen Menschen teilen zu können. Obendrauf tun wir so auch noch der Umwelt einen großen Gefallen, da wir so ja Müll vermeiden und Ressourcen sparen. Reparieren muss unserer Meinung nach aber auch innovativ sein: es darf nicht viel Zeit kosten und sollte möglichst günstig und unkompliziert ablaufen. So kam uns die Idee, dies mit einem Lieferservice zu verbinden, der auch Dinge, die wir nicht selbst reparieren können, zu Fachleuten bringt.

    Wer sind eure Role Models?

    Im Reparaturkontext finden wir die Arbeit, die Sepp Eisenriegler mit „RUSZ“ in Wien leistet, und das Netzwerk „Right to Repair“ beeindruckend. Außerdem sind wir beide fasziniert von Menschen, die ein Handwerk bis ins feinste Detail beherrschen und darin jeden Tag voller Begeisterung aufgehen. Diese Hingabe findet man heute leider immer seltener. 

    Was bereitet euch im Moment schlaflose Nächte?

    Die Frage, wie das Projekt in einem Jahr aussehen wird.

    Wie verschafft ihr euch Ausgleich?

    Wir laden gerne Leute ein oder besuchen Freunde in und um Österreich, gehen gerne ins Kino und in die Natur.

    Welchen Impact hat euer Projekt auf euer Umfeld?

    Viele unserer Freunde und Freundinnen tun das, was gute Freunde natürlich tun müssen: Sie bestätigen uns, dass es eine tolle Idee ist. Darüber hinaus werden wir aber auch mit kritischen Fragen konfrontiert, die uns viel weiterbringen. Einige haben uns auch gleich gefragt, wie sie mitmachen können. Einige, welche vielleicht bis jetzt noch wenige Male daran gedacht haben, etwas reparieren zu lassen, haben uns gleich um Reparaturen gebeten oder die Notwendigkeit dieses Angebots betont.

    Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

    „reparo“ kann aus dem Spanischen direkt mit „Ich repariere“ übersetzt werden. Der Punkt dazwischen, wodurch daraus re.paro wird, hebt hervor, wofür das Wort im ursprünglichen Sinn steht: Etwas wieder zusammenbringen, das einmal zusammengehörte. Dieser Grundgedanke begleitet unsere Tätigkeit, denn es ist uns auch wichtig, den Menschen wieder näherzubringen, wie viel Rohstoffe und Arbeit in den Dingen steckt, die wir heute oft leichtfertig wegwerfen.

    Inwiefern ist Dinge reparieren ein soziales Projekt?

    Weil Reparaturen so vielfältig sind, braucht man dafür immer das Wissen vieler verschiedener Personen. So schaffen wir eine Gemeinschaft von Reparaturinteressierten, die aus Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen besteht. Wir fördern durch unsere Arbeit die Wertschätzung für handwerkliche Tätigkeiten und stärken das Bewusstsein für eine funktionierende Reparaturkultur in unserer Gesellschaft. Unsere Vision ist es, dass Menschen bei einem kaputten Gegenstand nicht gleich an den nächsten Neukauf, sondern zuerst an die Reparaturmöglichkeiten denken. Außerdem wollen wir dazu beitragen, dass Menschen ihre Produktwahl genauer hinterfragen: Von der Frage nach fairen Produktionsbedingungen bis hin zum Kriterium der Reparierbarkeit.